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Niemczyks Doppelsechs: Rentnerclub Werder Bremen – Was Claudio Pizarro mit George Clooney verbindet

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Niemczyks Doppelsechs: Rentnerclub Werder Bremen – Was Claudio Pizarro mit George Clooney verbindet

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Miroslav Klose„Drei mal ist Bremer Recht“ ist ein merkwürdiger Satz aus der Historie der Hansestadt mit dem Roland. Muss man nicht verstehen, wird aber gerne in Fußball-Zusammenhängen verwendet. Etwa, wenn Werder dreimal hintereinander gegen den HSV spielt (Liga, Pokal, UEFA-Cup). Oder wenn Werder dreimal hintereinander ins Pokalfinale kommt und immer wieder verliert. Nun hat der in den vergangenen Jahren etwas identitätslos gewordene Verein mit der Hühnerfabrik-Trikotwerbung den großen Coup gelandet. Claudio Pizarro (wird in zwei Wochen 37), genannt Pizza, kehrt zum dritten Mal zu den Grün-Weißen zurück. „Wenn es mit Fußball-Opas klappt, dann bei Werder“, unkte prompt „Die Welt“. Und auch sonst wundert sich die Fachwelt, ob dieser Transfer mehr sein kann als ein flüchtiger Stimmungsaufheller.

Braucht es Prozac an der Weser?

In einer Zeit, wo Schweini aus Kolbermoor bereits mit quietschfidelen 31 Jahren als „Auslaufmodell“ nach Old Trafford abgeschoben wird, ist das Comeback eines bald 40-jährigen Peruaners eine mittelschwere Sensation. Vergleiche? Der nimmermüde Miroslav „Miro“ Klose dreht mit 37 bei Lazio Rom eine allerletzte Ehrenrunde. Wunderdinge erwartet dort keine mehr von dem Dauerläufer aus der Pfalz. HSV-Rückkehrer Ivica Olic ist 35 und zieht gerüchteweise zur kommenden Winterpause in die USA. Oder zum lukrativen Scheich-Kick nach Abu Dhabi.

Auf der lustigen Website transfermarkt.de gibt es eine ellenlange Statistik zum Themenbereich „Jüngste eingesetzte Spieler“ und natürlich auch „Älteste eingesetzte Spieler“. Bei den Alten Hasen führt der eben erwähnte Olic vor dem ebenfalls 35-jährigen HSV-Kollegen Emir Spahic knapp vor Clemens Fritz von Werder mit 34 Jahren, 8 Monaten, 23 Tagen (Stand: 10.09. 2015). Wir konstatieren: Bei den taumelden Nordclubs bekommt das Alter zumindest punktuell eine Chance.

Bei den taumelnden Nordclubs bekommt das Alter zumindest punktuell eine Chance

Wo anderswo der Jugendwahn tobt (der jüngste eingesetzte Spieler ist aktuell Philipp Ochs von SAP Hoffenheim mit 18 Jahren, drei Monaten), will man an der Waterkant Erfahrung. Das sowohl Werder als auch der HSV seit geraumer Zeit unter einer Art Quecksilbervergiftung (der schleichende Tod) leiden, soll hier keineswegs mit den alten Haudegen in Verbindung gebracht werden. Nur klingen die „jungen Wilden“ (der VfB Stuttgart in den Nullerjahren) oder gar die „Fohlenelf“ (Mönchengladbach in den 1970ern) irgendwie fresher als „Rentnerband“ oder „Stehgeigerclub“.

Toni Polster  Am Ende des Tages – wer hätte es gedacht? – liegt die Wahrheit in der Mitte. Die gesunde Mischung macht´s. Was der eine durch gesprintete Kilometer erreicht, macht der andere mit Übersicht. Oder, wie weiland der große, alte Toni Polster beim 1. FC Köln: Der stand 87 Minuten am Strafraum rum – und schoss in den anderen drei Minuten ein „Doppelpack“. Und das häufiger als sich das der durchschnittliche 21-jährige Jungstar vorstellen kann.

Foto RAUCHENSTEINER picture alliance / Rauchensteine
Hans-Jürgen Schmidt picture alliance / HJS-Sportfoto
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