Zwischen Selbstdeutung und Bauwerk: Norman Foster im Spiegel zweier Bücher
Norman Foster: Zwei Bücher zeigen Denken und Werk des Architekten zwischen Technik, Naturbezug und Selbstdeutung
Wüssten Sie, wer den Berliner Fernsehturm gebaut hat oder den „kleinen Eiffelturm“, den Funkturm im Berliner Westen? Nein? Das macht nichts. Aber der Erbauer der Reichtagskuppel ist jedem ein Begriff: Norman Foster. Das wichtigste politische Gebäude der Republik – vielleicht enger verbunden mit einem Architekten als mit dem Bundeskanzler, der darin herrscht. Schon schräg.
Der 1935 geborene Brite zählt zu den bedeutendsten lebenden Architekten. Zwei Publikationen beleuchten nun sein Werk aus unterschiedlichen Blickwinkeln: „Norman Foster. Networks“ versammelt Überlegungen des Architekten in eigener Stimme, während „Norman Foster. Works“ eine Übersicht seines Schaffens bietet.
Zwei Perspektiven auf ein Werk
Der von Foster selbst verantwortete Band „Networks“ ist eine Sammlung von autobiografischen Essays. Foster rekonstruiert Stationen seiner Sozialisation, verweist auf seine Herkunft aus Manchester und hebt frühe Interessen hervor, insbesondere seine anhaltende Beschäftigung mit Luftfahrt. Projekte wie der Flughafen Stansted oder der Hong Kong International Airport waren seine Erfüllung eines Traums.


Überzeugend ist Foster immer dann, wenn er Architektur nicht als isolierte Disziplin beschreibt, sondern als Beziehungsgeflecht aus Naturbeobachtungen und Ingenieurwissen. Etwa wenn er die Belüftungssysteme von Gebäuden mit natürlichen Luftströmungen vergleicht oder Tragstrukturen in Analogie zu biologischen Formen beschreibt, wie Baumkronen oder Skelettstrukturen. Projekte wie die Reichstagskuppel oder das Sainsbury Centre werden in Zusammenhänge von „natürlicher“ Ordnung gestellt.
Ein gewisser Hang zur Überhöhung zeigt sich bei ihm dort, wo solche Beobachtungen verallgemeinert werden: Wenn etwa aus der Optimierung von Material und Energieeinsatz eine moralische Haltung abgeleitet wird oder technische Lösungen als Ausdruck universeller Prinzipien erscheinen, die über das konkrete Projekt hinausgehen. Eine leichte Stahlkonstruktion wird bei ihm nicht nur als gutes Engineering verstanden, sondern als Teil eines größeren Prinzips – als Harmonie mit der Umwelt.


Im Gegensatz dazu folgt „Norman Foster. Works“ einem stärker dokumentarischen Zugriff. Der gemeinsam mit Philip Jodidio erarbeitete Band zeichnet die Entwicklung von Fosters Arbeit über mehrere Jahrzehnte nach und ordnet zentrale Projekte in ihren jeweiligen Kontext ein. Darunter fallen Projektporträts wie die Millennium Bridge oder der Apple Park.
Der 91-Jährige macht derweil weiter, im Großen wie im Kleinen: Zu den aktuellen Projekten von Foster + Partners gehören der geplante Stadionneubau für den AC Mailand in San Donato sowie die Entwicklung von nachhaltigen Fertighäusern („Essential Homes“)