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PANEL 2019: Chilly Gonzales votet mit

Hätte man seine frühen Ausflüge ins Electro-Genre mit den oft ironischen Rap-Einlagen ernst genommen, vielleicht wäre aus Chilly Gonzales alias Jason Charles Beck nie jener soignierte Entertainer geworden, der er heute ist. An einem geringen Selbstbewusstsein leidet der Kanadier gewiss nicht – bei ihm heißt es immer „Gonzales über alles“, wie er schließlich auch emphatisch sein Debütalbum nannte. 

„Gonzales über alles“

Recht schnell kristallisierte sich für ihn heraus, dass man mit dem Klavier mehr machen kann, als nur Bach nachzuspielen. Seitdem hat Chilly Gonzales so ziemlich alles unternommen, um radikal Kunst und Anti-Kunst aufeinander losgehen zu lassen. Er arbeitete mit so unterschiedlichen Typen wie Feist, Peaches, Jamie Lidell und Helge Schneider zusammen, spielte ein 27 Stunden langes Konzert, verwandelte ein Märchen von Hans Christian Andersen in ein musikalisches Schattenspiel und machte sich mit dem Stück „Never Stop“ über die eigerosteten Regeln des Klassikbetriebs lustig – wofür er prompt eine Apple-Werbung beschallen durfte).

Für „Room 29“ tat sich Gonzales vor einigen Jahren mit Jarvis Cocker zusammen, dem ehemaligen Sänger britischen Popband Pulp, um über die mitunter skurrilen Erlebnisse von Rockstars und anderen Berühmtheiten in einem Zimmer des Hotel Château Marmont am Sunset Boulevard in Hollywood zu schwärmen. 

Sein Privatleben hält Chilly Gonzales indes unter Verschluss, daran änderte auch die elegante Musiker-Dokumentation „Shut Up And Play The Piano“ von Philipp Jedicke nichts. Dreieinhalb Jahre lang beobachtete er, wie sich der Pianist in größenwahnsinnige Bohemiens verwandelte, um intellektuelle Kalauer zu machen und mit seinen „Solo Piano“-Alben die eigenen Grenzen auszutesten.

Immer wieder wird Gonzales der ‚Neo-Klassik‘ zugeordnet. Doch anders als Kollegen wie Ludovico Einaudi oder Luka D’Alberto liegt ihm jedes gefühlige Hintergrundgeplätscher fern. Längst hat sich der legitime Erbe von Erik Satie auch zur Aufgabe gemacht, den Nachwuchs auszubilden. In seinem „Gonservatory“ bringt Gonzales Musiker und Autodidakten nicht nur musikalischen Humanismus näher, sondern lehrt auch, wie man zur humorbegabten Rampensau wird. Freiheit und Spaß sollen hier neben Disziplin und Ehrfurcht stehen.


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