Percy Sledge: Die 10 besten Songs im Ranking
Die 10 wichtigsten Songs von Percy Sledge – von "When a Man Loves a Woman" bis "Blue Night" und späten Meisterwerken.
Percy Sledge hatte viele große Hits, doch nichts kam an „When a Man Loves a Woman“ aus dem Jahr 1966 heran, seine erste Single, sein erster Hit und sein bleibendes Vermächtnis. Der Song gilt als Höhepunkt des tiefen Southern Soul, und der Sänger versuchte nie, sich davon zu lösen. Wilson Pickett wagte einen Ausflug in den harten Funk, aber nicht Percy. Stattdessen vertiefte er seine Southern-Handschrift, betonte seine Gospel- und Country-Wurzeln, während er für anspruchsvolle Hörer von Verführung und Herzschmerz sang.
Karriere und Vermächtnis
Sledge bewahrte sich eine treue Anhängerschaft in den Jahrzehnten, in denen er scheinbar vom Radar verschwunden war. Aufnahmen waren nicht ganz sein Ding. Nach „I’ll Be Your Everything“, einem Album, das er 1974 für das Southern-Rock-Label Capricorn einspielte, verbrachte er ein Jahrzehnt damit, auf Soul-Tourneen im Süden der USA, in Europa und Südafrika zu arbeiten. Schließlich kehrte er ins Rampenlicht zurück, als eine neue Generation „When a Man Loves a Woman“ entdeckte, der auf Film- und Fernseh-Soundtracks erschien und 1987 nach seinem Einsatz in einem Levi’s-Werbespot erneut in die britischen Charts einstieg.
Dieses Comeback gipfelte in „Blue Night“ von 1994, seinem ersten Album für ein Major-Label seit zwei Jahrzehnten. Trotz positiver Kritiken — darunter eine Grammy-Nominierung für das beste zeitgenössische Blues-Album und ein W.C.-Handy-Award 1996 für das beste Soul- oder Blues-Album — blieb es Sledges letztes großes Projekt.
Als er auf die Bühne zurückkehrte, sang er weiterhin seine Klassiker, was unterstrich, wie prägend seine acht Jahre bei Atlantic Records waren. Zwischen 1966 und 1974 nahm Percy einige der besten Soul-Aufnahmen überhaupt auf und hinterließ eine Diskografie, die weit über eine einzelne Single hinausgeht — wie diese Songs beweisen.
„When a Man Loves a Woman“ (1966)
„When a Man Loves a Woman“ machte Percy Sledges Karriere, doch es war auch die erste Southern-Soul-Platte, die die Spitze der Billboard Hot 100 erreichte. Andere R&B-Singles waren zuvor Pop-Nummer-eins-Hits geworden — viele davon von Ray Charles zu Beginn der Sechziger — doch Sledges Erfolg öffnete die Türen für Deep Soul und schuf einen Klang, den andere jahrelang nachahmen sollten (ganz zu schweigen von Coverversionen wie Michael Boltons werkgetreuem Chartstürmer von 1991).
Übersättigung mag den Song allzu vertraut gemacht haben, doch nichts schmälert die Kraft von Sledges Darbietung: leidenschaftlich und zugleich nuanciert, sein Herzschmerz tritt in leisen Murmeln zutage, in denen es wirkt, als ringe er zwischen Schluchzern nach Luft.
„Warm and Tender Love“ (1966)
Sledges zweite Single wirkt wie ein süßes Gegenmittel zur Traurigkeit seines Debüts. Wieder ist es ein Flehen, doch diesmal ist das Herz des Sängers offen, nicht gebrochen, während er seine warme und zärtliche Liebe anbietet.
Das Thema ist leichter, ebenso die musikalische Handschrift: Die Band groovt entspannt vor sich hin, und Sledge moduliert seine Stimme geschickt, um Wärme auszustrahlen. In einer Karriere voller schmerzlicher Balladen ist dieser Hauch von Optimismus willkommen.
„It Tears Me Up“ (1966)
Mit seiner dritten Single kehrte Percy Sledge zum Herzschmerz zurück. Wenn das Tempo von „It Tears Me Up“ auch etwas schneller ist als das von „When a Man Loves a Woman“, so ist der Schmerz ebenso greifbar. Als er seine Frau mit einem anderen Mann sieht, kann Sledge den Schmerz kaum ertragen. Man zweifelt nicht an ihm, doch der Song selbst bietet Auftrieb.
Geschrieben von den Soul-Größen Spooner Oldham und Dan Penn, ist „It Tears Me Up“ kein typischer Slow-Burner: Das schnellere Tempo und die eindringliche Melodie erzeugen eine Spannung, die den Song zu einem der einprägsamsten in Sledges Werk macht.
„Dark End of the Street“ (1967)
Es scheint, als habe jeder Southern-Soul-Sänger der Sechziger „The Dark End of the Street“ aufgenommen, den von Dan Penn und Chips Moman geschriebenen Song, der zuerst von James Carr eingespielt wurde.
Eine schlechte Version gab es nie, doch Percy Sledges, ein Jahr nach Carrs Original aufgenommen, gehört zu den besten. Sledge war ideal für die Geschichte zweier vom Schicksal getrennter Liebender. Wenn er singt, spürt man die Last dieser gestohlenen Romanze. Doch so sehr es ihn auch schmerzt, er kann nichts tun, um diese Affäre ans Licht zu bringen.
„Cover Me“ (1967)
Aus demselben Holz geschnitzt wie „Warm and Tender Love“ ist der von Eddie Hinton und Marlin Greene geschriebene Song „Cover Me“ ein weiteres Liebesflehen, also einer der seltenen Percy-Sledge-Titel, in denen die Freude den Schmerz überwiegt.
Sledge bittet seine Geliebte noch immer zu bleiben, doch allein die Tatsache, dass der Herzschmerz noch nicht eingetreten ist, verleiht der Single einen Hoffnungsschimmer, den die orgellastige, entspannte Begleitung widerspiegelt.
„Take Time to Know Her“ (1968)
Sledges zweiter großer Hit, „Take Time to Know Her“, ist eine beinahe gotische Geschichte von Verrat. Der Sänger bringt seine zukünftige Braut zu seiner Mutter nach Hause, und mit nur einem Blick ruft die Mutter ihren Sohn zu sich und warnt ihn. „Take time to know her.“
Doch Sledge hört weder auf seine Mutter noch auf seinen Prediger – er stürzt sich in die Ehe und findet sein Herz rasch gebrochen. Die Geschichte ist etwas überhitzt, doch nicht die Darbietung des Sängers: keine dramatischen Läufe, kein Predigen, nur langsame, klagende Reue.
„It’s All Wrong but It’s Alright“ (1968)
Ein weiterer hervorragender Song von Greene und Hinton, „It’s All Wrong but It’s Alright“, ist eine kleine Besonderheit in Sledges Werk: Hier scheint er Vergnügen an seinen Verfehlungen zu finden.
Wenn der Sänger in „The Dark End of the Street“ noch von Schuldgefühlen geplagt war, wirkt er hier überwältigt davon, wie gut es sich anfühlt, falsch zu liegen, und diese unerwartete Sinnlichkeit verleiht dem Song einen besonderen Reiz.
„True Love Travels on a Gravel Road“ (1969)
„True Love Travels on a Gravel Road“ war Sledges erste Single, die es in keinen Billboard-Chart schaffte, doch sie zählt zu seinen übersehenen Meisterwerken. Eine geschmeidige, natürliche Mischung aus Country und Soul, die beide Elemente gleichberechtigt betont, ist der Song vielleicht der stärkste Beleg für Sledges Aussage, er habe ein bisschen von allem gesungen.
„I’ll Be Your Everything“ (1974)
Sledges letzter Hit, „I’ll Be Your Everything“, erreichte 1974 Platz 15 der Billboard-R&B-Charts und zeigt, dass er modische Veränderungen durchaus hätte meistern können. Es ist erneut eine langsam aufbauende Ballade mit Wurzeln in „When a Man Loves a Woman“, zugleich jedoch mit einem geschmeidigen Siebzigerjahre-Gewand versehen, mit gerade genug Streichern und Hintergrundgesang, um elegant statt kitschig zu wirken.
„Going Home Tomorrow“ (1994)
Diese Coverversion des alten Fats-Domino-Stücks „Goin‘ Home“ – ein R&B-Hit aus dem Jahr 1952 noch vor dem Rock ’n’ Roll – unterscheidet sich deutlich vom Rest von Sledges Diskografie.
Der Sänger wagte sich selten an so erdigen New-Orleans-R&B, und diese Version, angefeuert von der Slide-Gitarre des ehemaligen Rolling-Stones-Gitarristen Mick Taylor, zeigt, dass Sledge, wenn er gewollt hätte, so hart hätte rocken können wie jeder andere Louisiana-R&B-Sänger. Er entschied sich jedoch, sich auf Balladen zu spezialisieren – und bei einer Stimme wie dieser kann man es ihm kaum verdenken.