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Marvin Gaye: Der tragische Tod der Soul-Legende


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Mit bürgerlichem Namen hieß er Marvin Pentz Gay jr. In Biografien und Rock-Lexika nennt man ihn gern den „original love man“. Ein netter Euphemismus für jemanden, der mit Oden an die Eifersucht („I Heard It Through The Grapevine“) und die durchaus irdische Liebe („Sexual Healing“) einige seiner größten Hits landete. Als Womanizer galt er ohnehin. Nicht von ungefähr wurde sein erfolgreichstes Album zu Lebzeiten das mit dem programmatischen Titel „Let’s Get It On“.

Das war der eher mehr als minder autobiografische Songzyklus eines 34-jährigen verheirateten Mannes, der sich hoffnungslos in eine Teenagerin verknallt hatte. Trotzdem waren es keine brunftigen Soft-Porno-Arien wie die des Kollegen Barry White. Die Songs waren so sanft wie inbrünstig und jubilierend vorgetragene Bekenntnisse. Wenn man da das Wort „Baby“ durch „Jesus“ oder „Lord“ ersetzt hätte, wären sie auch als Gospel-Hymnen durchgegangen. „Keep Gettin‘ It On“ oder „You Sure Love To Ball“ natürlich nicht, einige der restlichen Songs aber doch.

Marvin Gaye im Jahr 1961 – wie auf so vielen Bildern: lächelnd.

„Let’s Get It On“ war eine schwere Geburt. Voraufgegangen waren der Veröffentlichung endlose Demo-Sessions, bei denen er immer neue Produzenten verschliss. Dazu verschreckte er Dutzende Musiker, sodass die Arbeit nicht voran kam. Nach dem Erfolg von „What’s Going On“ konnte ihm (damals noch) Schwiegervater Berry Gordy jedoch nicht reinreden. „Just To Keep You Satisfied“, letzter Song auf der LP, war genau genommen der älteste. Die Basic Tracks dazu hatte er schon im Juni 1970 aufgenommen, also schon vor „What’s Going On“, das er dann binnen weniger Tage fertig einspielte.

„What’s Going On“ als erstes Konzeptalbum der schwarzen Musik

Der Frühsommer 1971, drei Jahre vor „Let’s Get It On“, ist in Deutschland mit dem Bestechungs-Skandal in der Fußball-Bundesliga, dem Amtsantritt von Erich Honecker als Erster Sekretär des Staatsrates der DDR und der großen Kampagne gegen das Verbot der Abtreibung verbunden. In den USA sind die Rolling Stones mit „Brown Sugar“ Ende Mai, Anfang Juni zwei Wochen lang auf Platz eins der Billboard-Charts. Wenig später folgt ihnen Carole King gleich fünf Wochen lang mit dem Abrechnungs-Liebeslied „It’s Too Late“.

In Vietnam tobt der Stellvertreter-Krieg der Amerikaner gegen den kommunistischen Norden des Landes immer heftiger. Durch die Veröffentlichung der sogenannten „Pentagon Papers“ (Geheimdokumente des US-Verteidigungsministeriums zur Vorgeschichte des Konflikts) in der „New York Times“ wird ein düsteres Licht auf die frühe Kriegsführung der Amerikaner in den Sixties geworfen. Die Friedens- und Bürgerrechts-Bewegung in den USA bekommt damit weiteren massiven Zulauf.

Marvin Gaye erinnerte sich gegenüber seinem späteren Biografen an jene Zeit: „Um mich herum explodierte die Welt; wie um Himmels Willen sollte ich da weiterhin Liebeslieder schreiben?“ Resultat dieser Grübelei ist Gayes elftes, am 21. Mai 1971 auf dem Unterlabel Tamla Motown veröffentlichtes Album. Wenn man so will, das erste komplett durcharrangierte Konzeptalbum in der Geschichte der Schwarzen Musik. Gewidmet einem (politischen) Oberthema wird „What’s Going On“ heute in einem Atemzug mit „Pet Sounds“ von den Beach Boys und „Sergeant Pepper’s“ von The Beatles genannt.

Marvin Gaye auf der Bühne, 1976.

Wann starb Marvin Gaye?

Anfang der 80er-Jahre schien Marvin Gaye aus der Versenkung zurückgekehrt. Nach einer Auszeit und einem Drogenentzug feierte der berühmteste Soul-Sänger der 60er-Jahre mit seiner Single „Sexual Healing“ und dem dazugehörigen Album „Midnight Love“ ein Comeback. Nach seiner Rückkehr in die USA begab sich Gaye, der das Touren eigentlich nicht mochte, auf die Reise, um sein Album zu promoten. Um dem Druck standzuhalten, griff er wieder zu Kokain. Sein Gemütszustand zerrüttete zusehends, Gaye fühlte sich verfolgt.

Nach dem Ende der Tour im August 1983 zog sich der Sänger zu seinen Eltern nach Los Angeles zurück. Das Haus hatte er selbst einige Jahre zuvor gekauft. Nach einer Zeit, die von Familienmitgliedern als „ruhig und ohne besondere Vorkommnisse“ beschrieben wird, geriet Gaye jedoch immer öfter und immer heftiger mit seinem Vater, einem strenggläubigen Prediger, aneinander.

Am 1. April 1984 eskalierte ein Streit um ein Versicherungs-Dokument. Erst kam es zu Handgreiflichkeiten, dann schoss der Vater seinem Sohn mit einer Pistole in die Brust, einer Smith & Wesson, die Marvin ihm zu Weihnachten geschenkt hatte.

Als die Polizei 20 Minuten später am Tatort eintraf, war Marvin Gaye bereits tot. Am nächsten Tag hätte er seinen 45. Geburtstag gefeiert.

Beerdigung von Marvin Gaye am 05. April 1984

 

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