Exklusiv: Wie Phoebe Bridgers das perfekte Foto für ihre 2026er Tour bekam
Starfotograf Gregory Crewdson erzählt, wie das Promo-Bild für Phoebe Bridgers' bevorstehende Tour entstand – und warum er eigens eine Ausnahme machte.
Anfang Juni kündigte Phoebe Bridgers ihre erste Solotournee seit 2023 an. Der Flyer zeigte die 31-jährige Singer-Songwriterin auf einer verlassenen Kleinstadtstraße, am Steuer eines türkisfarbenen Oldtimers. Es ist Dämmerung, der Himmel ein kosmisches Zuckerwattenmuster aus Blau und Rosa, während ein Lichtstrahl hinter einem alten Haus mit weißer Holzverkleidung und dunkelgrünen Fensterläden hervorbricht. Bridgers ist nur eine kleine Gestalt im Bild – und doch unverkennbar. Man fragt sich unwillkürlich, ob ihr legendärer Skelettanzug im Kofferraum liegt.
Das Foto stammt von Kunstfotograf Gregory Crewdson, dessen unheimliche, atemberaubende Aufnahmen des Vorortlebens immer wieder mit David Lynch und Edward Hopper verglichen werden. Redaktionelle oder kommerzielle Aufträge nimmt er selten an – doch für die platinblonde Singer-Songwriterin mit einem Faible für Melancholie machte er eine Ausnahme.
„Ich muss mich mit der Arbeit verbunden fühlen“, sagt Crewdson, 63, im Zoom-Gespräch mit ROLLING STONE aus seinem Haus in Westmassachusetts. „Es gab diese Übereinstimmung: ein Sinn für Geheimnis und Einsamkeit, der Wunsch, Verbindungen über Landschaft herzustellen und all das. Es ist ein Zusammenkommen von Phoebes Welt und meiner Welt.“
Zwei Drehtage in Massachusetts
Crewdson erzählt, dass er und Bridgers vor einigen Jahren erstmals über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen hätten, sich dann letzten Sommer in Hudson, New York, zum Planen getroffen hätten. Aufgenommen wurde das Bild an zwei Tagen im März in der Nähe von Adams, Massachusetts. („Ich wollte keine Blätter an den Bäumen, damit es sich anfühlt wie Winter, der in Frühling übergeht“, sagt er.) Crewdsons Shootings gleichen Filmsets – rund 50 Crewmitglieder sind dabei. Fünf Kräne wurden für Beleuchtung und Equipment herangeschafft, die Feuerwehr spritzte die Straße nass, um ihr diesen mystischen Glanz zu verleihen. Der Produktionsaufwand, sagt er, soll das verstärken, was ohnehin schon da ist. „Es ist dieses perfekte Zusammentreffen von unserem Kunstlicht und dem Umgebungslicht der Sonne“, sagt er. „Dieser eine Moment, in dem alles stimmt.“
Das Foto hat auch eine analoge Komponente. Crewdson weist auf eine Telefonzelle im Hintergrund hin – passend zu Bridgers‘ bevorstehender Smartphone-freier Tour – sowie auf die Xenonlampe, aus der der Lichtstrahl kommt. „Das ist ein altmodisches Licht, das niemand mehr benutzt“, sagt er. „Es wäre so einfach gewesen, das mit KI oder digitalen Effekten zu machen – aber wir haben das wirklich gebaut.“
Fans werden die Straße in Adams, wo die Magie geschah, sicher bald pilgern, und Crewdson sagt, er habe bereits Tattoos des Bildes gesehen. Er fügt hinzu, dass er wie viele von uns ein großer Bewunderer von Bridgers‘ letztem Soloalbum sei, „Punisher“ aus dem Jahr 2020. „Dieses Album hat meine Fantasie wirklich beflügelt, es fühlte sich besonders heimgesucht und traumartig an“, sagt er. „Und natürlich zieht sich diese Traurigkeit durch alle Songs. Das hat mich sehr angesprochen, weil das Themen sind, mit denen ich in meiner Arbeit zu tun habe. Dieses Gefühl von Einsamkeit – und gleichzeitig der Wunsch, eine Verbindung herzustellen.“