Plattenladenwoche: So war die Eröffnungs-Party mit The BossHoss

E-Mail

Plattenladenwoche: So war die Eröffnungs-Party mit The BossHoss

Facebook Twitter Google+ Whatsapp Email Kommentare
von

„Zur Not verlegen wir das Konzert eben ins Kesselhaus“, scherzte BossHoss-Sänger Sascha Vollmer, als die Gäste sich langsam von draußen in die schlauchartigen Durchgänge schoben. Ganz im Gegensatz zur Konzerthalle in der benachbarten Kulturbrauerei passen in den kleinen Prenzlberger Kultplattenladen „Vopo Records“ kaum mehr als 80 Menschen. Den Platten in den Regalen nicht unähnlich, standen die Besucher dann auch eng zusammengedrängt vor der ebenerdig aufgebauten Bühnenecke und kämpften mit den zahlreich anwesenden Kamerateams um Zentimeter.

Nah am Fan

So nah konnte man die Country-Rock-Erfolgsband aus Berlin schon lange nicht mehr live erleben. Einige Fans waren sogar aus der Schweiz angereist, andere, die nicht mehr reingekommen waren, klebten mit dem Gesicht am Fenster, wo nur noch der eigene Atem einer guten Sicht in die Quere kommen konnte. Auch die Band schien dankbar, mal wieder in einem bescheideneren Rahmen aufzutreten als in Mehrzweckhallen oder auf Fernsehbühnen. „Hier wird deutlich, welche Qualität wir eigentlich haben!“, lachte Sänger Alec Völkel zwischen zwei Songs, während Harp-Spieler Hank Williamson bemerkte, dass seine Mundharmonika schon lange nicht mehr so gut geklungen hat wie heute. Songs wie „Do It“ oder „Don’t Gimme That“ entwickelten ohne Synthie-Beats und elektrische Verstärkung tatsächlich eine angenehm raue Färbung, die ganz gut zum Punk-und Rockabilly-Flair des Ladens passen wollte.

Kinder auf dem Kassentresen

Im hinteren Bereich des Ladens, auf dem Kassentresen, hatte sich der BossHoss-Fanclub versammelt: Kind und Kegel der Musiker. Die Kleinen sangen die Refrains mit und krähten „On fire!“ und „Don’t gimme that!“. Ein etwa sechsjähriger Junge bemerkte sehnsüchtig, dass es hier „limitierte Platten“ gibt, und machte das neben ihm sitzende Mädchen darauf aufmerksam, das aber – geschlechtsspezifische Prägung – weniger enthusiastisch war und umso lauter mitsang. Ältere Semester blätterten derweil durch die Schallplatten: Paul Simons „Hearts And Bones“, Raritäten-Sammlungen der Smiths, Platten von Gang Of Four und Swans, Motörhead, The Jam und Psychobilly  – alles auf engem Raum versammelt.

Nach dem Auftritt der Western-Adepten übernahm die Sängerin und Pianistin Alexa Feser interimsmäßig die Verkaufsleitung. An der Danziger Straße waren am Nachmittag einige Menschen zu beobachten, die charakteristische Tüten im LP-Format mit sich trugen.

—————–

Die mit einem Echo ausgezeichnete Plattenladenwoche wurde 2009 vom Fachhandelsverband AMM etabliert, um den unabhängigen Plattenladen als kulturelle Institution zu unterstützen. Dieses Jahr steht die einwöchige Kampagne unter dem Motto „Made In Germany“, über 120 Einzelhändler aus ganz Deutschland haben sich angemeldet, um sich mit lokalen Events und In-Store-Konzerten vorzustellen. Vom Indie-Vinylspezialisten bis zu Klassik- und Jazz-Experten werden die Geschäfte in dieser Zeit außerdem wieder limitierte LPs, CDs und 7inches zum Verkauf anbieten, zum Beispiel die eigens aus diesem Anlass gepresste 4-Track-EP von Gang Of Four & Herbert Grönemeyer. Die Plattenladenwoche findet dieses Jahr vom 19. bis zum 24. Oktober statt. Nähere Infos finden sich unter www.plattenladenwoche.de.

E-Mail