Highlight: The Beatles: „Abbey Road“ erfolgreichstes Vinyl-Album der Zehnerjahre

RS-Story

So wurde Discogs zur größten Plattenbörse der Welt

Vor 16 Jahren pflegte ein schüchterner Informatiker seine Plattensammlung in eine Datenbank ein, die er selbst programmiert hatte. Heute ist aus dem Hobby die größte Tauschbörse für Vinyl im Internet geworden – und die größte Musikinformationsquelle der Welt, noch vor Wikipedia oder AllMusic.

Der Informatiker heißt Kevin Lewandowski, damals ist er 25, hört Miles-Davis- und Deep-House-Platten, isst jeden Abend Pizza, während er an einer neuen Website werkelt. Die heißt Discogs. Allein im vergangen Monat besuchten 6,8 Millio­nen Menschen Lewandowskis Seite im Internet. Es gibt über drei Millionen registrierte Nutzer, die Seite wird im Jahr Hunderte Millionen Mal aufgerufen. Mehr als 300.000 Menschen haben ihr Musikwissen beigesteuert, um einen Katalog mit mehr als 7,5 Millionen Veröffentlichungen und 4,6 Millionen Interpreten zu erstellen.

Datenbanken über Musik fehlten

„Für mich war das damals nur ein Hobby“, sagt Lewandowski und lacht. Der 41-jährige Familienvater könnte in seiner Kapuzenpullihaftigkeit noch immer 25 sein. Er hat die freundlich-zurückhaltende Art eines Technikers, der lieber im Hintergrund agiert. Lewandowski wuchs in einer musikinteressierten Familie in Louisiana auf, seine Schwester ist Klavierlehrerin, sein ­Vater spielt Gitarre und sammelt Schallplatten, im Eltern­haus dröhnten Led Zeppelin und Black Sabbath. Doch erst im College prägte sich sein eigener Musikgeschmack aus. Lewandowski entdeckte Techno-Raves und war angefixt von elek­tronischer Musik. Er kaufte sich zwei Turntables, ein Mischpult – und jede Woche neue Maxis.

Und Lewandowski erstellte Mailinglisten, über die sich Leute über ihre Platten austauschten. Es war die Zeit der Dotcom-Manie, als das Internet noch Cyberspace hieß und Seiten wie eBay und IMDb kleine Wunder waren. Was fehlte: eine umfassende Datenbank mit Informationen über alle Musikveröffentlichungen. „Ich fand die Idee stark und dachte, dass sie funktionieren könnte.“

Überwältigendes Feedback

Also tüftelte der damalige Intel-Software-Entwickler nach Feierabend an der ersten Version einer solchen Datenbank, in die er seine 2.000 Platten aufnahm – am 1. September 2001 die allererste, die 12-Inch „Stockholm“ des schwedischen Techno-­DJs Jesper Dahlbäck alias The Persuader. Das Feedback seiner Brieffreunde war überwältigend – und Discogs war geboren. „Ich dachte, wenn es jemals die Möglichkeit gibt, Vollzeit an meinem Traum zu arbeiten, dann jetzt.“ Er kündigte.



The Beatles: „Abbey Road“ erfolgreichstes Vinyl-Album der Zehnerjahre

Es ist ja längst bekannt, dass Plattenfirmen mit CDs kaum noch Geld verdienen und die Gewinne vergangener Zeiten mit Streams kaum ausgeglichen werden können. Wie ein Phoenix aus der Asche stieg in den vergangenen zehn Jahren allerdings die Schallplatte, die sich inzwischen als Medium wieder großer Beliebtheit erfreut und seit einiger Zeit eine prächtige positive Verkaufskurve nach oben hinlegt. Mit anderen Worten: Vinyl ist wieder ein Milliardengeschäft. Die glänzenden Umsätze werden aber vor allem mit den Meisterwerken der Vergangenheit gemacht. Das geht aus einem Jahresabschlussbericht des US-amerikanischen Statistik-Unternehmens Nielsen hervor. Demnach ist „Abbey Road“ von den Beatles die erfolgreichste Platte…
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