Warum uns Vince Gilligan mit der „Pluribus“-Fortsetzung warten lässt

Vince Gilligan arbeitet bereits an Staffel zwei von „Pluribus“, doch schnelle Antworten auf den spektakulären Cliffhanger wird es nicht geben

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Als die erste Staffel von „Pluribus“ endete, passierte dies mit der Wucht eines nuklearen Cliffhangers. Natürlich beantwortete die neue Serie von „Breaking Bad“ und „Better Call Saul“-Erfinder Vince Gilligan kaum Fragen. Man wischte sich die Augen und fragte sich, ob man überhaupt etwas verstanden hat.

Diese Gefühl wird noch etwas anhalten: Bei einem Pressetag von Apple TV bestätigte Gilligan, dass die Autoren derzeit zwar bereits „tief im Prozess“ der Entwicklung der zweiten Staffel stecken, erklärte aber auch, dass speziell „Pluribus“ Zeit brauche.

„Es dauert lange, diese Episoden zu erfinden“, sagte er – und meinte damit nicht Produktionsverzögerungen, sondern die eigentliche kreative Arbeit.

Vince Gilligan lässt sich immer Zeit

Gilligan, der ja schon mit den Vorgängerserien aus Albuquerque bewiesen hat, dass er lieber langsam als beliebig erzählt, machte keinen Hehl daraus, dass ihn diese Langsamkeit selbst manchmal frustriert. Er sagte in der Konferenz dann auch, dass er sich selber wünschte, die Serie würde schneller zurückkehren.

Dabei zog Gilligan einen aufschlussreichen Vergleich zu seiner Zeit bei „Akte X“, wo er in den 1990er-Jahren als Autor und Executive Producer arbeitete. Damals, so erinnerte er sich, kehrten Serien Jahr für Jahr fast ritualisiert zur gleichen Zeit zurück. Ein verlässlicher Rhythmus, der heute im Zeitalter von Prestige-Serien und Streaming kaum noch existiert.

„Pluribus“, so Gilligan, könnte vielleicht „im selben Monat“ zurückkehren – „es ist nur die Frage, in welchem Jahr“. Ein Satz, halb Scherz, halb ernst gemeinte Warnung. Am Ende bedankte er sich ausdrücklich beim Publikum für seine Geduld.

Worum es in „Pluribus“ eigentlich geht

„Pluribus“ ist womöglich seit dem Start von Apple TV die ambitionierteste neue Serie und brachte Gilligan einen idealen Neuanfang nach dem Abschied aus dem „Breaking Bad“-Kosmos. Die Serie handelt von einem beunruhigenden Zukunftsszenario, in dem (fast) alle Menschen glücklich sind, aber auch vollständig miteinander verbunden. Stilistisch verbindet „Pluribus“ Gilligans alte Liebe zu Mystery und Horror („Twilight Zone“, „Die Körperfresser kommen“) mit seinem Hang zur präzisen Figurenzeichnung. Herausgekommen ist ein beinahe paranoider Science-Fiction-Ton mit satirischer Begleitmusik. Die einzelnen Folgen eskalieren sehr langsam.  Unscheinbare Details und moralische Grauzonen sind nicht Beiwerk, sondern Motor der Handlung.

Kritikerliebling des Jahres 2025

Dass sich Gilligan diese Zeit nimmt, scheint gerechtfertigt: „Pluribus“ wurde von vielen Kritikern als eine der besten Serien des Jahres 2025 gefeiert und landete auch in den meisten Rankings weit oben. Gelobt wurden vor allem die intellektuelle Tiefe der Serie, ihre formale Strenge und der Mut, das Publikum endlich wieder herauszufordern (Hallo, Netflix, bitte zuhören!).

Die komplette erste Staffel von „Pluribus“ ist auf Apple TV verfügbar – und wirkt im Rückblick fast wie ein ausgedehnter Prolog. Dass die zweite Staffel der Serie auf sich warten lässt, ist also nicht bloß der Produktionsrealität geschuldet. Es passt merkwürdig gut zu einer Erzählung über Geduld, Unsicherheit und das Aushalten von Ungewissheiten.

Marc Vetter schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.