Gescheiterte Fugees-Tour: Pras Michel zieht Klage gegen Lauryn Hill zurück

Michel muss am 30. März seine 14-jährige Haftstrafe antreten – kurz zuvor hat er die Klage gegen seine Bandkollegin fallen gelassen.

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Pras Michel hat seine Klage gegen Fugees-Bandkollegin Lauryn Hill zurückgezogen. Darin hatte er ihr vorgeworfen, „wesentliche Finanzinformationen falsch dargestellt“ zu haben – als Teil eines „verschleierten und hinterhältigen Versuchs, sich selbst einen großen Reibach zu verschaffen“.

In einem am 11. März beim United States District Court für den Southern District of New York eingereichten Dokument, das ROLLING STONE vorliegt, heißt es: „Die … Klage [wird] ohne Präjudiz abgewiesen, wobei jede Partei ihre eigenen Ausgaben, Kosten und Anwaltsgebühren trägt.“

Die Anwälte beider Seiten reagierten auf Anfrage von ROLLING STONE zunächst nicht.

Haftantritt rückt näher

Warum Michel diesen Schritt gut eineinhalb Jahre nach Einreichung der Klage vollzogen hat, ist unklar – dürfte aber damit zusammenhängen, dass er in Kürze eine 14-jährige Haftstrafe antreten muss. Dieser Fall begann mit einer Anklage aus dem Jahr 2019, die Michel vorwarf, illegale Beiträge zu Barack Obamas Wiederwahlkampagne 2012 geleistet zu haben. Zwei Jahre später kamen weitere Anklagepunkte hinzu: Bankbetrug, Verschleierung wesentlicher Tatsachen, Zeugenbeeinflussung, Verstöße gegen den Foreign Agents Registration Act sowie die Tätigkeit als nicht registrierter Agent der Volksrepublik China.

„Was hätte ich davon, Gesetze zu brechen?“, sagte Michel 2023 gegenüber ROLLING STONE. „Das ist es mir nicht wert. Ich bin wie ein Aussätziger. Ich habe Freunde, die nicht mehr mit mir reden, weil sie glauben, dass ein Satellit im Orbit ihnen zuhört.“

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Mitten in seinem Rechtsstreit willigte Michel ein, 2023 an einer Fugees-Reunion-Tour mit Lauryn Hill und Wyclef Jean teilzunehmen – anlässlich des 25. Jahrestags von „The Miseducation of Lauryn Hill“. Doch der Kartenverkauf lief in vielen Märkten schleppend, mehrere Shows begannen mit erheblicher Verspätung, andere wurden ganz abgesagt, und Hill kämpfte zu dieser Zeit mit ernsthaften Stimmproblemen.

Vorwürfe und Gegendarstellung

„Ms. Hills chronische Unpünktlichkeit war das Markenzeichen der Tour – Shows begannen routinemäßig zwei oder mehr Stunden zu spät. Hill sagte die zweite Tourneehälfte ab und bestrafte Mr. Michel gleichzeitig finanziell und betrog ihn“, erklärte Michels Anwalt Robert Meloni von Meloni & McCaffrey kurz nach Einreichung der Klage gegenüber ROLLING STONE. „Wir behaupten, dass Ms. Hill wesentliche Finanzinformationen falsch dargestellt und ihre Absicht verschleiert hat, sich einen übermäßigen Anteil von 60 Prozent der Toureinnahmen zu sichern – was Mr. Michel lediglich 20 Prozent ließ, anstatt der üblichen Drittelteilung innerhalb der Gruppe.“

In der Klageschrift zur Reunion-Tour warf Michel Hill außerdem vor, ein Auftrittsangebot von Coachella im Wert von fünf Millionen Dollar abgelehnt zu haben, weil das Festival sie unterhalb von No Doubt auf dem Plakat geführt hätte. Zudem habe sie die Tour von Anfang an zum Scheitern verurteilt, indem sie sie in letzter Minute ankündigte. „Aufgrund des groben Missmanagements durch Hill und [ihr Unternehmen], die viel zu lange gebraucht hatten, um den Deal mit Live Nation abzuschließen, war der Kartenverkauf für die US-Tour 2024 katastrophal“, heißt es in der Klageschrift. „Es gab kaum oder gar kein Marketing für die Tour, und zwischen der Ankündigung und dem ersten Konzerttermin blieb nicht genug Zeit, um ausreichend Vorverkäufe zu generieren, die die Tour gerechtfertigt hätten.“

Hill reagierte mit einem seltenen öffentlichen Statement auf die Klage. „Ich habe geschwiegen und weitergemacht, weil ich verstand, dass Pras durch seine rechtlichen Auseinandersetzungen unter Druck stand und dass dies möglicherweise sein Urteilsvermögen, seinen Gemütszustand und seinen Charakter beeinflusste“, sagte sie. „Ich war nicht in Pras‘ Leben, als er die unglückliche Entscheidung traf, die zu seinen aktuellen rechtlichen Problemen geführt hat. Und ich habe ihn nicht dazu geraten und bin daher in keiner Weise verantwortlich für seine Entscheidung und deren Konsequenzen – obwohl ich es mir zur Aufgabe gemacht habe zu helfen.“

Hill und Wyclef weiter vereint

Hill hat seit dem letzten US-Abschnitt der „The Miseducation of Lauryn Hill“-25th-Anniversary-Tour im November 2023 nicht mehr mit Michel zusammen gespielt. Mit Wyclef Jean pflegt sie jedoch weiterhin eine professionelle Beziehung: Im Februar 2025 traten sie gemeinsam beim „SNL50: The Homecoming Concert“ auf, und erneut bei den Grammys letzten Monat im Rahmen eines All-Star-Tributs für Roberta Flack.

Michel – der seine Verurteilung und die daraus resultierende 14-jährige Haftstrafe wegen Geldwäsche, illegalen Lobbyings und Zeugenbeeinflussung anficht – muss am 30. März ins Gefängnis einrücken.

Andy Greene schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil