Unwetter-Drama beim Primavera Sounds: Doja Cat & Massive Attack fallen aus

Sturmböen, heftige Regenfälle, Absagen: Das Primavera Sounds Barcelona wurde von massiven Unwettern heimgesucht. Doja Cat entschuldigt sich. Alle Details zum Festivaltag.

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Das Primavera Sounds ist eines der größten Rock-, Pop- und Electro-Festivals in Europa. An drei Tagen zieht es über 200.000 Menschen in die Strandzone „Parc del Forum“ in Barcelona, die locker mit der Straßenbahn T4 zu erreichen ist. Was am gestrigen Freitag, den 04. Juni, wie ein typischer erster Festivaltag am Mittelmeer begann, entwickelte sich rasch zu einem Kampf gegen die Elemente. Über der See zogen dunkle Wolken auf, von den umliegenden Hügeln peitschten Windböen über das Gelände. Eine Hexenküche – bevor schließlich heftiger Regen einsetzte.

Erste Absagen trotz durchgespielte Shows

Während einige Acts noch versuchten, den Elementen zu trotzen, sendete die Festival-Leitung bereits über die großen Info-Screens blau-weiße Warn-Dreiecke mit Ausrufezeichen. Die Live-Streamer von Amazon Music, die das Unheil aus einem über dem Gelände thronenden Studio mit Drohnen und durchs Publikum wuselnden Kamerateams für die ganze Welt dokumentierten, konnten noch einen eindrucksvollen Blues-Punkrock-Gig von Geese einfangen.

Die Band aus Brooklyn spielte ihr Set vor grauem Manchester-Wetter und starken Windböen zu Ende und lieferte damit immerhin eindrucksvolle Live-Bilder. Vor der Bühne packten Fans Ponchos und Regenschirme aus. Eine Vorsichtsmaßnahme mit Folgen.

Zuvor bei Blood Orange, dem Projekt von Produzent und Songwriter Dev Hynes, der schon für Künstler wie FKA twigs, Solange, Jessie Ware oder Tinashe gearbeitet hatte, wehte abseits der Hauptbühnen nur eine steife Brise. Auch hier endete die einstündige Show sphärisch beswingt.

Wetterlage spitzt sich zu

Die Situation für Veranstalter und Technikteams wurde jedoch immer brisanter. Zunächst fielen die Auftritte von Alex G auf der „Revolut Stage“ und Mac DeMarco auf der „Occident“-Bühne den Bedingungen zum Opfer. Die Veranstalter sprachen auf Spanisch, Katalanisch und Englisch von „widrigen Wetterbedingungen“ und kündigten an, die Lage fortlaufend zu beobachten.

Kurzzeitig schien es noch Hoffnung für die späteren Headliner-Slots zu geben: Massive Attack wurden zunächst von ihrem ursprünglichen Termin auf 22:30 Uhr verschoben. Die Stimmung an Bier- und Wein-Ständen blieb ausgelassen. Woodstock in modischen Ponchos und Ostfriesen-Nerzen.

Die Wetterlage blieb böse. Es folgte die endgültige Entscheidung: Massive Attack, Doja Cat und Bad Gyal würden nicht mehr auftreten. Die Macher ließen Vorsicht walten.

Doja Cat entschuldigt sich online

Im Gespräch mit ROLLING STONE erklärten uns Besucherinnen und Besucher, dass insbesondere die Absage von Doja Cat eine herbe Enttäuschung gewesen wäre. Immerhin ging der Ausschank von Cava weiter.

Die US-Rapperin meldete sich noch am Abend über ihre Social-Media-Kanäle zu Wort und erklärte, sie wäre bereits vollständig in Bühnenkluft gewandet. Sie entschuldigte sich und versprach, nach einer Möglichkeit zu suchen, die ausgefallene Show in Barcelona zu wiederholen.

Natur schlägt Festival-Maschine

So endete der erste große Festivaltag mit einem ungewöhnlichen Kontrast: Auf der einen Seite standen trotzig durchgespielte Shows. Andererseits die unvermeidliche Erkenntnis, dass selbst eine bestens geölte Festival-Maschine wie das Primavera den Kräften der Natur am Ende nicht trotzen kann.

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Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.