Ok, Boomer – hört auf von Chat Tschibidi zu schwafeln
Im Netz wurde das „Boomer-Wort des Jahres“ ermittelt. Es ist die Verballhornung eines Begriffs, der als Synonym für die KI-Revolution herhalten muss.
Vor allem ältere Menschen (nicht selten aus dem Medienbetrieb) werfen sich mit Verve alljährlich auf das „Jugendwort des Jahres“. Als böte es Einblick in eine geheimnisvolle Welt, die den Erwachsenen sonst verborgen bleibt. Seltsamerweise hört man dann oft von Teenagern, dass sie diese Worte noch nie gehört haben.
Der Content-Creator Levi Penell hat deshalb schon vor einiger Zeit das „Boomer-Wort des Jahres“ als Gegenveranstaltung ins Leben gerufen. Welche Begriffe verbinden jüngere Leute mit der älteren Generation?
In diesem Jahr machte „Chat Tschibidi“ das Rennen, eine onomatopoetische Sinnentstellung des Namens des KI-Chatprogramms, das von der überwiegenden Mehrheit der Deutschen genutzt wird. Zweifellos auch ein Versuch zu zeigen, mit welcher Mischung aus spätjugendlicher Begeisterung und fatalem Unwissen ältere Menschen an solche Programme herangehen.
Weitere „Gewinner“ in der Verlosung des „Boomer-Wortes“ des Jahres sind „Hope (Wal)“ – womit Timmy, der gestrandete Ostseewal gemeint ist –, „Juno/Julei“ (ähnlich wie „zum Bleistift“), „Drückeberger“ und „Sonnabend“ (statt Samstag). Auch „Reklame“ (statt Werbung) schaffte es ins Ranking.
Seitenhieb gegen die Boomer-Sendung „Tagesschau“
Levell präsentierte das Ergebnis in Tagesschau-Optik, auch um darauf hinzuweisen, dass die wichtigste deutsche Nachrichtensendung sich auf solche Themen wie „Jugendwort des Jahres“ stürzt, als wären damit tatsächlich irgendwelche Erkenntnisse über das Land gewonnen. Zuletzt kritisierten sogar ehemalige Mitarbeiter der ARD die Auswahl von Themen bei der „Tagesschau“, so etwa einen Bericht über ein wiedereröffnetes Kult-Café in Berlin.
Zu seiner Aktion erläuterte der 25-jährige Levell: „Es ist eine satirische Antwort auf das Jugendwort des Jahres. Denn hier hatten wir lange Zeit das Gefühl, die Boomer wollen uns erklären, was die Jugendsprache ist. Und oft waren es dann Worte, die man als Jugendlicher noch gar nicht gehört hat.“
In der Vergangenheit wurden das passiv-aggressive „Sportsfreund“ (2024) und das Geburtsjahr-Synonym „Baujahr“ (2025) als „Boomer-Wort des Jahres“ gewählt. In der Verlosung waren dabei auch Worte wie „Göttergatte“ und „Rambazamba“.
Was bedeutet eigentlich Boomer und was kritisieren junge Menschen?
Boomer ist eine Veralberung des Generationenbegriffs Baby Boomer, also der geburtenstarken Generation zwischen 1946 und 1964. Jüngere Menschen verbinden mit den Boomern eine Generation, die immer alles besser weiß und größtenteils Wohlstandsgewinner in krisenarmen Zeiten geworden sind, ohne die Nachfolgergeneration daran teilhaben zu lassen.
Konkret wird Boomern vorgeworfen, in Zeiten von Wirtschaftswunder und sicheren Renten Vermögen, Immobilien und Wohlstand angehäuft zu haben – und dass auch noch auf Kosten der Umwelt. Als Folge müssen Jüngere heute mit explodierenden Mieten, stagnierenden Löhnen und der Last der schrumpfenden Rentenkassen kämpfen.
Ein weiterer Vorwurf gegen Boomer ist deren Workaholic-Vorstellung von Arbeit, die auch von Jüngeren verlangt wird. Nicht zu vergessen: Boomer fungiert auch als Synonym für Menschen mit konservativen, unreflektierten Ansichten, die stets in einem besserwisserischen Ton vorgetragen werden („Man kann sich doch einfach ein Haus kaufen, wenn man nur hart genug arbeitet“).