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R.E.M. – kein Nachruf, nur ein Dank


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„Wir können jetzt alles machen – oder nichts“, sagte Bassist Mike Mills, als ich ihn im Januar zu einem Interview über das neue R.E.M.-Album „Collapse Into Now“ traf – und sprach zum ersten Mal von einem Soloalbum. Weil er aber wieder mal sein Schlingel-Grinsen aufgesetzt hatte, nahm ich den „Nichts“-Teil nicht gar so ernst, auch wenn es ein paar Anzeichen gab. (Die gab es in den 31 Jahren, fünf Monaten und 16 Tagen von R.E.M. häufiger.) Der berühmte Plattenvertrag mit Warner, der ihnen einst angeblich 80 Millionen Dollar brachte, war gerade ausgelaufen. Eine Tournee war nicht geplant, und Sänger Michael Stipe machte keinen Hehl darauf, dass es an ihm lag. Gitarrist Peter Buck verteidigte die Entscheidung, obwohl klar war, dass sie ihn nicht begeisterte. Bei R.E.M. tat jeder immer, was er konnte – und Stipe konnte nicht schon wieder monatelang auf der Bühne stehen. Vielleicht konnten sie sich jetzt auch nicht vorstellen, noch einmal neu anzufangen, mit einem möglicherweise kleineren Label oder gar einem eigenen wie Wilco, mit weiter schwindenden Verkaufszahlen, eigentlich auch ohne wirkliche Herausforderung – R.E.M. kannten alles, hatten alles, waren alles.

Ich könnte jetzt ihre unglaubliche Karriere nacherzählen – vom ersten Konzert im April 1980, dem sensationellen Debüt „Murmur“ bis zu den Welterfolgen von „Out Of Time“ und „Automatic For The People“ und dem Bruch 1997, als Schlagzeuger Bill Berry ausstieg. Wie sie sich danach aufgerappelt haben und so viele fabelhafte Konzerte gaben, wie sie in all der Zeit ihre Prinzipien bewahrten und nicht zu einem Geschäftsmodell verkamen, sondern eine Band blieben – auch wenn sie verstreut in Athens, Seattle und New York lebten. Von dem Weg einer kleinen Alternative-Band zu „America’s best Rock & Roll band“, so stand es auf dem Cover des US-ROLLING STONE. Aber man kann das alles auf Wikipedia nachlesen (oder in unseren vielen Titelgeschichten…), und ich weigere mich auch, einen klassischen „Nachruf“ zu schreiben, weil das so endgültig klingt. Noch ist keiner gestorben, noch darf das Wort gelten, das so häufig in Stipes Texten vorkommt: Hoffnung.



Mick Jagger, Pearl Jam, R.E.M. und Co. haben offenen Brief an US-Politiker unterschrieben

Donald Trump hat schon viele Musiker verärgert, weil dieser in seinen Wahlkampfveranstaltungen Musik spielen ließ, obwohl die jeweiligen Künstler ihm die Nutzung untersagt hatten. Neben Neil Young haben auch The Rolling Stones deshalb damit gedroht, den US-Präsidenten zu verklagen. Nun haben über 50 Künstler einen offenen Brief unterschrieben, in dem sie Politiker dazu auffordern, die jeweiligen Acts im Vorfeld um Erlaubnis für eine Nutzung ihrer Songs zu bitten. Bekannte Künstler gehen auf die Barrikaden Der Brief wurde von der Artist Rights Alliance verfasst. Diese fordert, dass sowohl Demokraten als auch Republikaner klare Regeln schaffen. Für das Spielen von Musik bei…
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