Rammstein: Darum wird „Dicke Titten“ kein Hit auf dem Münchener Oktoberfest


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Mit ihrem apokalyptischen Bühnen-Ambiente und der futuristisch-martialischen Kluft stehen Rammstein für eine phänotypisch urbane Band. Schockrocker aus dem Metropolen-Moloch. Auf dem Cover ihres aktuellen Albums „Zeit“ ist der Trudelturm auf dem Forschungsgelände in Berliner Adlershof zu sehen.

Und doch hebt die aktuelle Single „Dicke Titten“ zumindest in Text und Video auf deutsche „Country“-Mythen ab. Alpenglühen, Kühe im Festornat und eben das sprichwörtliche Holz vor der Hüttn. Ein derber Schenkelklopfer mit viel Wumms.

In einem Interview mit der in Kempten beheimateten „Allgäuer Zeitung“ schätzt Tastenmann Christian „Flake“ Lorenz das Potential dieses politisch unkorrekten Gaudi-Tracks allerdings für das Münchner Oktoberfest und ähnliche Traditionsveranstaltungen als eher gering ein. „Dicke Titten“ ist zwar einer der vielbeachteten neuen Songs von „Zeit“. Doch auf der aktuell laufenden Stadiontour wird dieser allerdings nicht live performt.

„Wenn ein Lied ein Wiesn-Hit wird, spricht das sicherlich auch nicht für die Qualität des Liedes. Haben die White Stripes schon einen Wiesn-Hit gespielt?“, antwortet Flake auf die Frage der „Allgäuer“ mit einer Gegenfrage. Immerhin würden die Bayern-Fans in der Allianz-Arena zum Riff von „Seven Nation Army“ mitgrölen, so der Lokalreporter. Daraufhin ein schlagfertiger Flake: „Spielen die auf der Wiesn jetzt auch Fußball?“

Sein Credo: „Ich war noch nie auf der Wiesn und habe auch nicht vor, sie je in meinem Leben zu besuchen“.

Dass wiederum die Video-Umsetzung von „Dicke Titten“ auf Krachledernes und hintergründige Euter-Verweise setzt, führe nicht zwingenderweise auf die Spuren von Anton aus Tirol und Konsorten.

Rammstein beschwören – wie so oft – urdeutsche Mythen. In deren Niederungen halten sie sich dagegen selten auf. Auch wenn Till Lindemann im Video zu „Ohne Dich“ mal einen alpinen Gipfelbezwinger gegeben hat. Ein fataler Absturz aus luftigen Höhen inklusive.

Immerhin hat Keyboarder Flake ein gewisses Verhältnis zur Landwirtschaft. Der Liebhaber von New-Timer-Autos hatte auch mal einen Vintage-Traktor in seiner Sammlung. Diesen habe er allerdings verkaufen müssen, „weil sich meine Nachbarn immer beschwert haben, wenn ich den angeworfen habe“, so Flake. „Mein Grundstück ist auch sehr klein, da passt kaum ein Rasenmäher hin“. Im Video zu „Dicke Titten“ habe ihn „die Kuh aber noch mehr beeindruckt, die war auch fast so groß wie der Traktor – und viel wilder.“