Rare Tracks – Jungle Fever

Der ROLLING STONE in Afrika? Mit der gleichen Berechtigung ließe sich natürlich behaupten, die 12 Titel auf den „Rare Trax“ dieses Monats seien der Sound westlicher Metropolen. So wie sich die Herkunft der Migranten in den multikulturellen Milieus der Großstädte kaum noch exakt zurückverfolgen lässt, so wenig lassen sich auch in der Musik stilistische Einflüsse und Querverweise eindeutig herausfiltern. Die Bearbeitung traditioneller Musik durch Techniken des Sampling ist deshalb immer auch ein Spiel mit Identitäten – bei dessen Umsetzung natürlich primär das Fingerspitzengefühl des DJ’s gefragt ist.

ACID QUEEN SEMA Der erste Track dieser „Rare Trax“ ist wirklich multikulturell besetzt. Die Norweger von Acid Queen hatten auf „Thmzania“ die Möglichkeit, mit Taraab-Musikern zusammenzuspielen. Taraab ist an sich schon eine Fusion von indischen, afrikanischen und arabischen Musiktraditionen – zusammen mit den House-erfahrenen Norwegern entwickelt sich hier ein noch viel abenteuerlicherer Stilmix.

AMARUVISION

AMARUVISION Amaruvision ist das Projekt des Kölners Benno Klandt. Klandt ist nicht nur fasziniert von afrikanischen und asiatischen Musiktraditionen, er arbeitet auch elektronische Klänge in seine Stücke ein. Die Elektronik dient jedoch – wie man auf seinem Album „lightenergy Performance“ hörtweniger der ‚Verfremdung als vielmehr der Hervorhebung von Strukturen der traditionellen ethnischen Musik.

GENETICDRUGS&JASMON

ENCOREPITIYAMAN Der Radio-DJ Genetic Drugs von Radio Multikulti aus Berlin veröffentlichte zusammen mit dem Musiker und Produzenten Jasmon das Album „Spacecake“, auf dem er seine seit Jahren in der ganzen Welt aufgesammelten Soundschnipsel mit elektronischer Musik verbindet. „Encore Pitiyaman“ führt den Hörer von einem Marktplatz in Ghana in sphärische Klangwelten, die jedoch – mit Beats unterlegt – definitiv auch tanzbar sind.

NAHAWA DOUMBIA

_________ YANKAW __________ Nahawa Doumbia aus Mali setzt sich in ihren Texten u. a. mit der Stellung der Frau in der malinesischen Gesellschaft und der Lage afrikanischer Migranten in Frankreich auseinander. Diese lyrisehen „Grenzgänge spiegeln sich auch in ihrer Musik wider, in der sich die Tanzrhythmen ihrer Heimat mit den urbanenjazz- und Techno-Samples des französischen DJs Frederic Galliano vermischen.

AFRIDA MARIMBA BAND

BUYELAEKHAYA Die Afrida Marimba Band spielt Afro-Jazz. Diese Mischung aus Jazz und afrikanischer Musik hat eine lange Tradition -man denke nur an Pharoah Sanders oder Archie Shepp. Doch vom Free-Jazz ist die Marimba Band weit entfernt. Vielmehr erinnern ihre ansteckenden Rhythmen und Harmonien an afrikanische Marktplätze und Community Halls.

ISSABAGAYOGO ____________ DIARABI __________ .

Puerto Issa Bagayogo ist einer der wenigen malinesischen Musiker (neben Nahawa Doumbia), der westliche Einflüsse mit lokaler Musik vermischt. So arbeitet er sowohl mit akustischen als auch mit elektronischen Quellen. Zu den traditionellen Instrumenten zählt etwa die Kamalen N’goni (eine dreisaitige Laute), die Bagayogo gerne mit malinesischen Chants unterlegt. Das westliche Stil-Arsenal hingegen besteht aus Samples und Stimmverzerrungen, die die traditionellen Strukturen des Songs nicht etwa überlagern, sondern eher herausarbeiten sollen.

LOSCHICHARRONS INTHEBEGINNING Los Chicharrons sind Ramon Santana, in der Domenikanischen Republik geborener DJ und Kosmopolit, sowie Morten Varano aus Kopenhagen, interessiert an allen nur erdenklichen Spielarten der Popmusik (er selbst charakterisiert seine Musik als „Indie-Rock-Techno-Pop“). Zusammengenommen ist dies jedenfalls mehr als die Summe der einzelnen Teile (um einmal Kante zu persiflieren). Was beginnt wie ein Pharoah Sanders-Stück aus der ,J(arma „-Periode, erweist sich am Ende dann als ausgesprochen funky. Das Ganze ist extrem unterhaltsam und fraglos auch tanzbar.

THE YOUNGER BROTHER _______ EVIL&HARM _______ Der empfehlenswerte Sampler „Tribal Futures- The WayAhead“ (EchoBeach) widmet sich der Mixtur von Dancefloor und Trance mit traditioneller Musik verschiedenster Kulturen. „E vilAnd Harm“ von The Ybunger Brother ist in diesem Falle von der Musik der Kogi-Indianer Kolumbiens geprägt.

BOB HOLROYD DRUMMINGUPASTORM Das dritte Album des Engländers Bob Holroyd heißt ,J Dxfferent Space“. Dieser „andere Ort“ ist offensichtlich das Niemandsland zwischen traditioneller afrikanischer und asiatischer Musik einerseits – und den Produktionsmethoden der westlichen elektronischen Musik andererseits., JDrumming Up A Storni“ beginnt als elektronisches Grundthema, dann mischen sich langsam die traditionellen Musikelemente hinein und geben dem Track einen völlig anderen Charakter. Eine Weltreise, die in einem dunklen Qub in London beginnt – und in fünf Minuten durch die ganze Welt fuhrt.

BAABA MAAL _______ SOUKANAYO ______ Der Senegalese Baaba Maal ist vermutlich der bekannteste Künstler dieser „Rare Trax“. Der hier enthaltene Mix von „Souka Nayo (I Will Follow ou)“ von seinem 1998er Album „Nomad Soul“ ist sicherlich auch das Stück dieser Sammlung, das am ehesten westlichen Hörgewohnheiten entspricht (neben, Just Pilau“ von Akwaaba vielleicht). Nichtsdestotrotz ist Maal fest in seiner heimatlichen Musiktradition verwurzelt – und die Grundelemente seiner Songs erarbeitet er immer noch im Senegal: „Wenn ich afrikanische Musik höre, höre ich immer auch Jazz, Rap, Blues und Reggae,“

KRSHNA&RASHID ________ BUSHMEN ________ Rashid Duke (der Sohn von Jazz-Popper George Duke) und Krishna Booker sind – zusammen mit Diana Moriera Booker – wohl besser bekannt unter dem Namen Eyedentity. ,3ushmen“ führt die Musik der Buschmänner aus Botswana mit einem Reggae-Rhythmus zusammen. Es beginnt mit einem traditionell anmutenden Motiv, das durch die ständige Wiederholung den Groove generiert. So wird die Tradition einer Dancehall-Ökonomie unterworfen, die anschließend durch Stimme und Drum-Loops fortgeschrieben wird.

AKWAABA JUST PILAU Paul Murphy, Tom Lee und Steve Kotey sind Akwaaba. Akwaaba steht für hypnotische Synthesizer und Disco-Beats: „trippy New brk dubdancing“ nennen sie es im Presse-Info zu ihrem Album „Do It Tomorrow“. Was das Ganze mit dem Thema unserer „Rare Trax“ zu tun hat? Nun, in Ghana bedeutet, Akwaaba“ nichts anderes als „Willkommen“. Wir hoffen, dem Leser mit diesen „Rare Ihn“ einen ersten Eindruck von der Musik der „Zwischenräume“, „Grenzgänge“ oder wie man es nennen wüL gegeben und zu weiteren Erkundungen angeregt zu haben. Akwaaba!

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