RATM vs. X Factor: Das Duell um die UK-Weihnachts-Nr. 1 eskaliert


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Es ist eine Rolle, die ihnen augenscheinlich noch immer gefällt: Rage Against The Machine haben dank der Facebook-Kampagne „Rage Against The X Factor“ ein neues Feindbild und zeigen sich in bester Kampfeslaune. Die Kampagne rief kürzlich dazu auf, „Killing In The Name Of“ bei den gängigen Downloadplattformen in England zu erwerben, um RATM so die musikhistorisch wichtige Chartspitzenposition zur Weihnachtszeit zu verschaffen – und den Gewinner der Sendung „X Factor“ vom Thron zu stoßen. In diesem Fall: Joe McElderry mit „The Climb“, einer Coverversion des Kinder- bzw. Teeniestars Miley Cyrus. Die „X Factor“-Kandidaten hatten mit ihren Songs schon die letzten vier Jahre die Weihnachts-Nr. 1 erreicht, weil das Finale der Show immer kurz vor Weihnachten stattfindet und immer einen Run auf die erste Single des Kandidaten auslöst.

Das plötzlich aufflammende Interesse an Band und Song wissen RATM nun clever zu nutzen. So traten sie heute morgen in einer Sendung auf BBC 5live auf, zu der sie live aus L.A. zugeschaltet wurden – und sorgten für einen Eklat. Zunächst nutzte Sänger Zack de la Rocha im Interview die Gelegenheit „X Factor“-Jurorvorsteher Simon Cowell verbal anzugreifen: „Simon ist ein sehr interessanter Charakter. Er scheint im großen Stile davon zu profitieren, Menschen vor laufender Kamera zu erniedrigen und ist der einmaligen Position, dies über das Fernsehen aber auch über das Radio zu verbreiten. Wir sehen diese Aktion als Chance, diese Dominanz zu zerschlagen.“ Zum Eklat führte dann die anschließende Live-Performance von „Killing In The Name Of“. Obwohl RATM zugesagt hatten, einen „Radio Edit“ zu spielen, sang de la Rocha den korrekten Text, inklusive des so wichtigen Parts: „Fuck you I won’t do what you tell me!“ Da Fluchen on Air in England noch immer ein Tabu ist und mit hohen Geldstrafen geahndet wird, zogen die BBC-Verantwortlichen den Stecker.

Tom Morello erklärte zuvor noch einmal, warum sie diese Aktion so unterstützten: „Die Leute haben die Schnauze voll davon, eine Schmalzballade nach der anderen serviert zu bekommen. Sie möchten ihre Charts zurück. Es ist eine Ehre, dass sie unseren Song als Revolutionshymne gegen das ‚X Factor‘-Monopol gewählt haben.“ Dabei sei der Kauf von „Killing In The Name Of“ kein Protest gegen eine Platte, die bei einem Major erscheint, stellte Morello klar. Eine Tatsache, die sich von selbst ergibt, denn der RATM-Song erschien seinerzeit ebenfalls beim Major Epic. Aber, so Morello, der Unterschied sei: „Wir haben den Song in einem runtergerockten Industrieslum in L.A. geschrieben. Den ‚X Factor‘-Song hat sich eine Horde überbezahlter Songwriter ausgedacht – mit dem einzigen Ziel euch einen weiteren dieser Schmalzklumpen reinzudrücken, mit dem sie ihr schmieriges Business am Laufen halten!“ Am Wochenende wird sich nun also entscheiden, wer die geschichtsträchtige Christmas No. 1 in England 2010 für sich beanspruchen kann.