Review: „The Walking Dead“, Staffel 7, Folge 16 – Finale: Was für ein Jumpscare!

Gerade noch die Kurve gekriegt: In der 16. und letzten Episode von „The Walking Dead“ kam erstmals Spannung in der Staffel auf. Dieser Text enthält gleich zu Beginn Spoiler.

Alte „Walking Dead“-Tradition: Todgeweihten Helden werden Episoden gewidmet, indem ihnen gleich zu Beginn ein schönes Erlebnis bereitet wird. Das war bei Figuren wie Noah so, Tyreese oder Beth.

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Als Gefangene von Negan stellt Sasha Bedingungen, sie sagt: „Nur einen aus unserer Gruppe wird es treffen.“ Später träumt sie davon, wie ihr geliebter, verstorbener Abraham sie weckt und sie mitnehmen will in die Wälder, Eskapismus, „to kick shit and eat snakes“. Dann träumt sie davon, mit ihrer besten Freundin Maggie an einer Lichtung zu sitzen und der Natur zuzuhören.

Also, klare Sache: Staffel sieben, Folge 16. Finale. Sasha stirbt. Aber, was diese Episode so gut macht: Wir wissen früh, was passieren wird. Aber erst sehr spät, wie es passieren wird.

Und wie! Zum ersten Mal in dieser Season stimmt das Timing, die Action, die Überraschung, der Deus ex Machina. Negan öffnet einen Sarg, in dem er Sasha transportiert hatte. Er konnte nicht wissen, dass sie darin mittels einer Tablette just Selbstmord begangen hatte – und ihren Geiselnehmer nun als Untote augenblicklich angeht, als der Deckel aufklappt (in den Comics gibt es für eine andere Figur einen ähnlichen Jumpscare, nur dass es da um eine Kapuze und eine andere Geiselübergabe geht). Monster, die aus Särgen springen, das war bislang Sache der Vampire. Nun haben die Zombies eben neues Terrain erobert.

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Sie sieht so schlimm aus!

Der Jumpscare kommt nun doppelt schlimm: Nicht nur, weil Sasha als Zombie aus dem Behälter springt. Sondern weil es immer – bei Shane, Merle, Hershel – ein unangenehmes, erschreckendes Gefühl auslöst, sobald einer der Helden als Untoter gezeigt wird. Es demonstriert den furchtbaren Unterschied zwischen Leben und Untod, weil man bei diesen wandelnden Leichen weiß, wie sie noch als Lebende waren.

Sasha sah ihr Ableben kommen, im dunklen Sarg durfe sie iPod hören (klobiges Gerät, 3. Generation wahrscheinlich). In ihrer Playlist lief Donny Hathaway. Auch er beging als junger Mensch Selbstmord, in der alten Welt von 1979. Sashas Lachen und Weinen dient dabei auch als eine – in der Serie selten inszenierte – Erinnerung an die Freuden aus einem Leben, das es nie wieder geben wird. Nie wieder neue Musik in der Zombie-Welt, kaum Zugang zur alten Musik.

Verwunderlich ist da nur, warum Negan nicht vor der Zombie-Situation gewarnt war. Untote halten selten völlig still, Sashas Sarg hätte auch – wie in einer schlechten Komödie – während der Rede des Oberschurken die ganze Zeit von innen her wackeln können.

„Welcome To The First Day Of The Rest Of Your Life“ sagt Negan ganz zu Beginn zu ihr, und er sollte Recht behalten, denn diesen Spruch gab es so schon mal zu hören – auch damals ließen Leute ihr Leben durch den Saviors-Chef.

Sasha musste sterben

So wenig überraschend Sashas Tod kam, desto trauriger ist man darüber. Am Ende trumpfte sie dann doch noch auf. Ihre Figur war zuvor wenig ergründet worden, sie ist ein unfertiger Charakter: Woher genau kam sie, wen liebte sie in ihrem alten Leben? Kein Wort mehr über ihren toten Bruder Tyreese? Die Backstory wurde stets vermisst, und ihr Attentatsversuch, gemeinsam mit Rosita ausgetüftelt und der zu ihrer Gefangenschaft führte, war stümperhaft umgesetzt.

Großes Chaos

Nicht alles läuft perfekt im Finale: Zwar kommt Ezekiels Einsatztrupp genau zum richtigen Zeitpunkt (und wann hatte man ALLE Helden aus Ricks Team zuletzt am selben Ort gesehen), aber die Schießerei verfängt sich auch schnell in einem Chaos. Es wird zu einem Peng! Peng! mit viel Rauch. Dazu Action-Musik, bei der man sich an den Kopf fassen möchte. Wie Mike Oldfield auf 45rpm oder Fanfaren von Mike Post, dem Komponisten von „Magnum“, „A-Team“ und „ChiPs“. Wie einer dieser Spoofs auf  YouTube, in denen tollen Serien von Fans im Retro-Chic neu vertont werden.

Auch die Figur der Jadis wird unter Wert verkauft. Wirkte die Banden-Anführerin in ihrer Verschlossenheit bislang höchstens wichtigtuerisch, erweist sie sich vor dem Kampf als eher bauernschlau denn intelligent. Negan bezahle halt besser als Rick, teilt sie mit, daher der unerwartete Seitenwechsel fünf vor zwölf.

Ein sehr grober Schnitt beendet das Feuergefecht abrupt.

Während der enttäuschte Negan die nächste Hinrichtung plant, kämpft Michonne auf einem Balkon um ihr Leben, sie rangelt mit einer anderen Schützin. Rick hört einen Todesschrei, glaubt, es sei ihrer – die Abwandlung einer Szene aus dem Comic, da war es Andrea, die scheinbar vom Balkon fiel und sich das Genick brach. In der Serie aber ist Andrea tot und Michonne Ricks Geliebte. Und überlebt.

Das Ende

Es gibt keinen Cliffhanger. Nur, ganz am Ende dieser Folge, einer endlich wieder zufriedenstellenden Folge, die Ankündigung: „We Go To War!“

Eine Frage aber hätten wir da noch: Woher genau wusste der frei laufende Tiger von Ezekiel während der Riesenschlacht eigentlich, wer die Bad Guys sind, wen er anspringen musste?

Guter Instinkt, altes Tier!

https://www.rollingstone.de/ranking-die-10-besten-the-walking-dead-charaktere-1202607/

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