Review: “Twin Peaks”, Staffel 3, Folge 10: Sex, Violence And No Stars

E-Mail

Review: “Twin Peaks”, Staffel 3, Folge 10: Sex, Violence And No Stars

Facebook Twitter Google+ Whatsapp Email Kommentare
von

Was ist passiert?

Richard Horne – der dunkle, vielleicht noch ein Stück fiesere Doppelgänger von Frank Booth aus „Blue Velvet“ – geht in die Vollen: Erst prügelt er Miriam Sullivan (die ihn in Folge sechs dabei beobachtet hatte, wie er ein Kind zu Tode gefahren hat) ins Jenseits, dann raubt er auch noch wildfluchend seine Oma Sylvia aus. Die Polizei konnte ihn bisher auch deshalb nicht schnappen, weil Richard Hilfe von Deputy Chad bekommt. Er fängt nämlich einen geheimen Brief von Miriam an das Polizeirevier ab, bevor er vom Sheriff gelesen werden kann.

Dougie scheint trotz seiner grenzdebilen Verfassung irgendwie Eindruck bei seiner Frau Janey-E gemacht zu haben. Grund dafür: seine Spontanreaktion gegen den gefährlichen Ike, als er einen Mord verhinderte und als „Man Of The Hour“ vom Fernsehen gefeiert wurde. Als dann noch Dougies Arzt beim besten Willen keine körperlichen Mängel feststellen kann, staunt Janey-E nicht schlecht – und bewundert den stolzen Bizeps ihres Gatten. Am Abend fällt sie, vor lauter Begierde im Bett den Namen Dougie endlos lustschreiend, über ihn her.

Derweil werden die Casinobesitzer Rodley (der wegen einer Fliege ganz schön einstecken muss) und Bradley Mitchum wieder auf die Fährte von Dougie gelockt. Duncan Todd sorgt mit viel Geschick dafür, dass „Insurance Man“ Anthony Sinclair noch ein wenig nachhilft. Angeblich soll Dougie mit ein paar Tricks einen Casinobrand als Brandstiftung gedeutet haben.

Albert flirtet hingebungsvoll mit Gerichtsmedizinerin Dr. Talbot, von Gordon Cole und Tammy kichernd beobachtet. Cole hat eine Vision von der leidenden Laura Palmer, bevor er mit einem Beweisfoto gesteckt bekommt, dass Diane und der böse Cooper gemeinsame Sache machen. Cole: „This Is Really Something“!

Schließlich orakelt erneut die Log Lady und behauptet, dass Laura Palmer die Auserwählte und der Kreis nun bald geschlossen sei. Ihre Worte geben aber einmal mehr weitere Rätsel auf: „Electricity is humming. You hear it in the mountains and rivers. You see it dance among the seas and stars and glowing around the moon, but in these days the glow is dying. What will be in the darkness that remains? „

Welche war die beste Szene?

„Hello Johnny, How Are You Today?“ Diese Worte werden “Twin Peaks”-Fans so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen. Als der skrupellose Richard seine Großmutter heimsucht, sitzt der inzwischen demolierte, behinderte Johnny vor einem merkwürdigen Teddy, der immerzu diese Worte vor sich hinsäuselt. Dazu läuft als Hintergrundmusik jene durch „Einer flog über das Kuckucksnest” bekannt gewordene Melodie („Charmaine“ von Lew Pollack und Erno Rapee). Richard würgt Sylvia, Johnny – gefesselt an seinen Stuhl – fällt auf den Boden, wimmert. Ein Hauch von „Uhrwerk Orange“, schon allein wegen der bedrückenden, für Lynch eher ungewohnten Inszenierung mit POV-Handkamera.

Worüber konnte man am meisten lachen?

Natürlich einmal mehr über Dougie. Völlig unschuldig knabbert er an einem Stück Schokoladenkuchen, bevor er von seiner eigenen Frau auf eine Art angemacht wird, die ihm wohl noch nicht untergekommen ist. Hinreißend ist Kyle Maclachlans strahlender, rundernder Gesichtsausdruck, als sein Dougie den Sex seines Lebens bekommt.

Großartig ist aber auch die Fliegenszene, in der Candy (eines der in rosa Kostüme gesteckten Blondchen im Casino) eine Fliege zu vertreiben versucht und ihrem Boss, auf dessen Gesicht es sich das Insekt gemütlich gemacht hatte, voll mit der Fernbedienung eine mitgibt. Für diesen Fehlgriff schluchzt sie anschließend noch minutenlang.

Was macht eigentlich Dr. Jacoby?

Er verbreitet immer noch seine illustren Verschwörungstheorien – und hat dabei einen großen Fan gefunden. Nadine Hurley schaut ihm begeistert im TV zu und schmachtet: „He’s So beautiful!“

Welche war die berührendste Szene?

Einmal mehr zeigt sich, dass Harry Dean Stanton so etwas wie die reinste Seele in „Twin Peaks: The Return“ ist. Nach seinem zartfühlenden Auftritt in Folge sechs sorgt er als Carl Rodd erneut für warme Herzen, wenn er – später für einen Moment gestört vom gruseligen Ehekrach zwischen Shellys Tochter Becky und ihrem drogenabhängigen, nichtsnutzigen Gatten Steven – den Woody-Guthrie-Standard „Red River Valley“ auf der Gitarre gibt. „From this valley they say you are going/We will miss your bright eyes and sweet smile/For they say you are taking the sunshine/That has brightened our pathways awhile”.

Wie war die neuste David-Lynch-(Selbst-)Referenz?

Keine Folge der neuen Staffel vergeht, in der David Lynch sich nicht aus seinem eigenen Werk bedient (vor allem „Eraserhead“ wird gleich mehrfach visuell und akustisch zitiert) oder seinen künstlerischen Helden huldigt. In Episode zehn ist es einmal mehr Stanley Kubrick. Aber wir sehen in der Folge auch Gordon Cole eine eigenartige Zeichnung anfertigen, die ein etwas undefinierbares Reh und eine ins Bild fahrende Hand zeigt. Eine Erinnerung an Lynchs bizarre Animationsserie „Dumbland“ oder vielleicht sogar seinen Comic-Strip „The Angriest Dog In The World“?

Wer sang in der Bang Bang Bar?

Und noch eine grandiose Lynch-Referenz: Rebekah Del Rio ist nach ihrem unvergesslichen Auftritt in „Mulholland Drive“ („Lllorando“) zurück und betört mit dem Song „No Stars“. Und wen sehen wir im Hintergrund an der Gitarre? Das ist tatsächlich Moby! Diesmal keine narrativen Spielereien zum Schluss – die Bühne gehört ganz dieser vielleicht größten aller Lynch-Sängerinnen (und von denen gab es von der Lady In The Radiator über Dorothy Vallens bis hin zu Julee Cruise eine Menge).

Review: „Twin Peaks“, Staffel drei, Folge neun: Audreys rote High Heels

E-Mail

Nächster Artikel

Vorheriger Artikel