Mandie Fletcher Absolutely Fabulous


Es ist noch nicht abzusehen, welche wirtschaftlichen Auswirkungen der Brexit auf die Außenhandelsbilanz Englands haben wird. Sicher ist, dass der englische Humor auch nach dem Austritt aus der europäischen Freihandelszone ein Exportschlager bleiben wird. Besonders der Bereich der Fernsehunterhaltung wies in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Bilanz auf: von „Mr. Bean“, Ricky Gervais und Simon Pegg („Spaced“) über Armando Iannucci („Veep“) bis hin zu Graham Linehan („Father Ted“, „The IT Crowd“) und dem „Little Britain“-Team.

Vergessen werden darf in dieser Reihe auch nicht Jennifer Saunders, die wie sonst nur englische Fußballtouristen das Negativimage der Briten außerhalb der Insel geprägt hat. Seit 1992 ist die Komikerin als Feierbiest und Society-Monster Edina „Eddy“ Monsoon in der von ihr und Dawn French geschaffenen Serie „Absolutely Fabulous“ zu sehen. Saunders’ Aufritte sind so erratisch (zwischen den einzelnen Staffeln lagen teilweise sechs Jahre) und unberechenbar wie das Nervenkostüm ihrer Figur, einer versoffenen, pillenschmeißenden, alleinerziehenden Künstleragentin, die verzweifelt mit dem Zeitgeist zu schwimmen versucht. Genau genommen versucht die Tochter die Mutter zu erziehen, die sich jedoch als hoffnungsloser Fall erweist.

Zur Seite steht Eddy ihre beste Freundin, die Modemagazin-Herausgeberin Patsy Stone (Joanna Lumley), deren Sozialkompetenz selbst Eddys öffentliche Auftritte noch gesellschaftsfähig wirken lässt. Der Humor von „Absolutely Fabulous“ ist so böse, obszön und grotesk, als hätte John Waters einen kompletten Jahrgang des „People“-Magazins verfilmt. Derek Zoolander, das dümmste Supermodel der Welt, war ein Waisenknabe dagegen.

In einem Jahr, das bereits die Rückkehr von Han Solo, „Ghostbusters“ und dem Schmunzelmonster Elliot erlebt hat, stellt „Absolutely Fabulous – Der Film“ vielleicht das am wenigsten erwartete aller Comebacks dar. In England genießen Eddy und Patsy längst Kultstatus, aber auch wer mit der Serie nicht vertraut ist, braucht nur wenig Anlaufzeit. Die Geschichte ist nicht mehr als ein Vorwand, um „Sweetie“ und „Darling“ in den unmöglichsten Situationen zu zeigen. Schon im Prolog bewegen sich die best girlfriends ganz ungeniert außerhalb ihrer Komfortzone. Eddy und Patsy stolpern über eine Modeschau, verlaufen sich in ihren irren Fantasiekostümen (eine Mischung aus Ü-60-Avantgarde- Fashion und Dragqueen) auf dem Laufsteg und wachen am nächsten Morgen mit der grausamen Erkenntnis auf, dass ihre besten Jahre hinter ihnen liegen. „Ich bin dein Spiegelbild“, tröstet Patsy, die Botoxspritze in der Hand, die Freundin.

Mit anderen Worten, es geht in „Absolutely Fabulous – Der Film“ um eine permanente Ausweitung der Komfortzone. Die letzten verbliebenen Klienten in Eddys Kundenkartei sind Schlagersternchen Lulu und „Baby Spice“ Emma Bunton, also muss ein Plan B her. Was liegt da näher, als sich an Kate Moss ranzuschmeißen, die Gerüchten zufolge gerade ihren Agenten gefeuert hat. Das mit dem Ranschmeißen nimmt Eddy allerdings etwas zu wörtlich: Beim Versuch, Kontakt aufzunehmen, stößt sie Her Kateness versehentlich von Bord einer Luxusyacht. Und da Eddy plötzlich wegen fahrlässiger Tötung von der Polizei gesucht wird, macht sie das ihrer Meinung nach einzig Vernünftige: Zusammen mit Patsy und ihrer Hipsternichte Lola (Indeyarna Donaldson-Holness, die so cool und unbedarft wirkt, als hätte man sie gerade erst in „Skins“ entdeckt – es ist tatsächlich aber ihre Debütrolle) flieht sie an die Côte d’Azur. „Da laufen eh nur Kriminelle rum“, lautet die zwingende Logik der Katastrophenbräute.

Man muss die Alibihandlung von „Absolutely Fabulous – Der Film“ nicht schönreden (und darf dabei über den unnötigen Autoverfolgungsjagd- Showdown den Mantel des Schweigens breiten), um diese Form von komödiantischer und sozialer Selbstentgrenzung bei hohem Fremdschämfaktor wertzuschätzen. Saunders und Lumley konnten für den Kinofilm sogar ihre alten Mitstreiterinnen gewinnen. So darf auch Jane Horrocks als Eddys debile Assistentin Bubble wieder absurde Kindergeburtstagsoutfits vorführen. Nostalgie ist also Trumpf in „Absolutely Fabulous – Der Film“, und damit sich die Nachgeborenen nicht ganz ausgeschlossen fühlen, gibt es großartig bescheuerte Cameos von Jon Hamm, Stella McCartney, Alexa Chung und – klar – Kate Moss. Dass die Briten auch in der Comedy die Popkultur aus dem Effeff beherrschen, versteht sich von selbst. Julia Sawalha, in der Rolle von Eddys Tochter, Saffy, singt auf einer Dragparty eine herzerweichende Karaokeversion des Teenage-Angst- Hits „At Seventeen“. Da kommen sogar Joan Collins die Tränen.

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