Adelle Waldman Das Liebesleben des Nathaniel P.

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Der Titel lügt nicht: Es geht in diesem Buch wirklich nur um die eher biederen Liebesverwicklungen eines gebildeten, leicht versnobten New Yorker Literatenparvenüs, der wohl so eine Art Musterbeispiel für sein Soziotop abgeben soll – was diesem Buch denn auch einige Aufmerksamkeit eingebracht hat. Waldman weiß sehr wohl um die Lächerlichkeit einer privilegierten Gruppe, die sich selbst zu wichtig nimmt und den Klatsch und Tratsch in den eigenen Reihen für Kulturgeschichte hält. Aber sie schreibt trotzdem keine Satire, sondern legt mit geradezu tomografischer Genauigkeit Schicht für Schicht einer erotischen Gefühls- und Gedankenwelt frei. Und die ist bei aller Belesenheit und geschliffenen sprachlichen Eleganz, die Waldman allen Figuren zubilligt – was sie dann wenig unterscheidbar macht –, so banal wie überall auf der Welt. Man folgt der Autorin dennoch gern. Sie erzählt gekonnt, angesichts des mageren Stoffs sogar erstaunlich spannend, aber es bleibt dieses Missverhältnis zwischen literarischem Aufwand und Ertrag.

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