Beach House: Bloom (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Beach House Bloom


Bella Union/Cooperative VÖ: 11.05.2012


von

„Eine Blüte ist vergänglich, eine flüchtige Vision des Lebens in aller Intensität und Farbenpracht, wunderschön – wenn auch nur für einen Moment“, erklärt Victoria Legrand, die Sängerin und Keyboarderin von Beach House, den Titel ihres vierten Albums. Das ist nicht neu und sicher richtig, trotzdem zerbricht man sich den Kopf, mit welcher Sorte Blüten man es zu tun hat: Seltene Orchideen oder doch eher Geranien aus dem Supermarkt? So viel ist klar: Die Songs von Beach House wachsen nicht vereinzelt. „Bloom“ erinnert an ein Feld, das sich sanft in der Abendsonne wiegt – ein echtes Album also. Jedes der zehn Lieder trägt die Wehmut und das Wissen um die eigene Sterblichkeit in sich, da kann er im Augenblick noch so schön erblühen. Der außergewöhnliche Gesang ist deshalb ein oft bittersüßes Klagen. Schwere, mit Gitarre und Keyboards fein ausgearbeitete Klangteppiche verleihen den Stücken etwas Feierliches.

Dass das Ganze trotzdem nicht nach Gothic und Trauermusik klingt, sondern eher nach einem lichtdurchfluteten Sommernachmittag, ist die Kunst von Beach House. Der Produzent Chris Coady – er war bereits beim Vorgänger „Teen Dream“ mit von der Partie – hat einen Großteil dazu beigetragen. Bei aller Hinwendung des Duos aus Baltimore zu großen Themen klingt die Musik den noch leicht und schwerelos. Die Songs sind schwelgerisch und doch präzise in ihrer perfekten Form. Man weiß nie so recht, ob man sich den sanft psychedelischen Klängen hingeben soll oder verweigern, weil das alles fast schon zu schön wogt und wabert. Kiffermusik, keine Frage.