Beck Mutations


Universal


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Was ist es nur, dass diese „Alben für zwischendurch“ dann doch zu den beeindruckenderen Werken macht? Nach der besonders schweren Geburt einer Platte kündigen Musiker immer wieder an, dass sie zum Entkrampfen eine Songsammlung veröffentlichen wollen, die sich mit dem großen Wurf gar nicht erst messen lasse, weil sie stilistisch ein neuer Versuch sei.

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Dieses Kleinmachen des eigenen Werks betrieb David Bowie mit „Low“ (nach „Station To Station“) oder Prince mit dem „Black Album“ (das auf „Sign ‚O‘ The Times“ folgte) oder auch U2 mit „Zooropa“, das „Achtung Baby“ beerbte. Das Angenehme an der Sache ist, dass gerade diese ohne Druck produzierten Alben meist besser sind als vieles andere im Back-Katalog – und man sich fragt, warum Musiker so viel Zeit benötigen für neue Veröffentlichungen, wenn das Schnelle doch viel toller ist.

In diese Reihe von Künstlern gehört auch Beck. Der damals 26-Jährige Multi-Instrumentalist hatte 1996 mit „Odelay!“ ein Album veröffentlicht, in dem er wie kaum niemand zuvor Folk, Indie und HipHop vermischte. Beck wurde zum begehrtesten Alternative-Interpreten der Neunziger.  Das nicht minder ambitionierte, aber leider etwas schmierig klingende Funk-Werk „Midnite Vultures“ wurde 1999 ein Misserfolg (seitdem hat sich keines seiner Alben mehr außerordentlich verkauft).

Aber was brachte Beck zwischen diesen beiden Alben heraus? Die Ich-spiele-vor-mich-hin-Platte „Mutations“.

Bis heute gilt: Wann immer Beck alleine mit seiner Gitarre Solo-Auftritte gibt, oder es auf der Bühne unter seinen Musikern ganz still wird, stimmt er eines dieser 13 Lieder an. Viele der Stücke sind Folk, etwas Bossanova, Cowboymusik, Zurufe an den alten Kautaback-Drummer. Beck singt vom Hobotum, Wanderschaft ohne viel Gepäck, „Cancelled Checks¡ und „Bottles of Blues“, sowie, im besten Song „Nobody’s Fault But My Own“, von klassischen Duellsituationen des Westerns, in dem es um die Rettung des Mädchens geht: „Treated you like a rusty blade / A throwaway from an open grave / Cut you loose from a chain gang / And let you go“. In diesem Lied spielt Beck eine Sitar.

Überhaupt haben er und sein Produzent Nigel Godrich, die hier erstmals zusammen arbeiteten, viele Effekte benutzt. Kennt man von Beck. Aber: Anders als etwa bei vielen Songs anderer Alben, wie „Guero“ (2005) verstören hier Samples nie durch erhöhte Lautstärke, und sie bilden auch nie Auftakt und Ende eines Stücks. Zwar gibt es auch hier Boom und Peng – zerbrochene Flaschen, das Kratzen eines Messers auf Holz –, aber das alles ergänzt die Melodien.

Manches auf „Mutations“ hört sich an, als würde Beck versuchen ein Folk-Konzert für Marsmenschen zu geben. „Diamond Bollocks“ – eine sarkastische Herabsetzung seiner eigenen Songs durch den Titel – ist sein bis heute vielleicht vielfältigstes Lied. Innerhalb von fünf Minuten wird aus einem Garage-Rocker ein Startsignal für den Aufbruch ins All. Das Stück würde der Sänger später selbst als Vorstufe für seine meisterhafte Weltraum-Oper „The Information“ (2006) bezeichnen.

In „We Live Again“ singt Beck davon, wie es nicht er selbst sei, sondern ein „einsamer Wind“, der „Scheiße zu Gold“ macht. Erneut macht er sich damit über sein eigenes Songwriting lustig. Auch diese Selbstverständnis macht einen Künstler aus: Man sagt, man erfinde keine Kunst, sondern nutze lediglich die Schwingungen, die in der Luft liegen.


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