Beirut The Rip Tide


Beggars


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Die alten Trendnasen hatten mal wieder recht: Die Ukulele kommt zurück! Jetzt sogar die, die gar nicht so lange weg war – die Ukulele von Zach Condon, dem kleinen Träumer, der 2006 alle mit seinem herrlichen Album „Gulag Orkestar“ überraschte. Im Zimmerchen in New Mexico hatte er sich die eigene Balkan-Folk-Musik gebaut, angeregt durch Interrail-Reisen und Goran-Bregovic-Soundtracks. Eine unwahrscheinliche Konstruktion, inhaltlich kühn, dafür im Stil des underachiever präsentiert. Das kann nur einmal klappen, und nachdem Condon alias Beirut in Folge mit einer französelnden Platte und einer mexikanisch-elektrischen Doppel-EP zumindest noch konzeptuell auswich, ist nun mit „The Rip Tide“ der Punkt gekommen, an dem sich die Kunst wirklich nur noch wie sympathische Dudelmusik anhört. Das harmonisch Simple, Berechenbare seiner kleinen Songs ergab im Folklore-Kontext besten Sinn, wirkt bei der vierten Wiederholung aber eher einfallslos und ermüdend.

Im Weg steht Condon hier ausgerechnet sein Stilbewusstsein: Man spürt, wie behutsam er weiterhin Cevapcici-Bläser und Schnurrbart-Chorgesänge setzt, um bloß nicht in den Ethno-Kitsch zu rutschen – aber vielleicht würde ein bisschen Kitsch und Emotion seiner oft unterzuckerten Musik ganz gut tun. Für TV-Serien trotzdem bestens zu verwenden.

Beste Songs: „East Harlem“, „The Rip Tide 1“


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