Bernd Begemann

Endlich

Hoffnungsvoll romantisch, aber mit etwas zu vielen Kinkerlitzchen

Das Live-Album von Bernd Begemann hat uns in den letzten zwei Jahren gute Dienste geleistet. Nun gibt’s ein neues Studiowerk. Das ist ja immer so eine Sache bei Begemann, wenn die Live-Spontaneität fehlt und man mit den Songs, die musikalisch im Studio gerne überladen ins Schlagerhafte gehen, allein im Zimmer sitzt. Aber wen stört das schon? War nicht „Solange die Rasenmäher singen “ damals ganz grandios? A teenage symphony to god? Und kann man einem Album widerstehen, das „Endlich“ heißt und Songs enthält die „Bist du den Richtigen triffst – nimm mich“ und „Ich kann dich nicht kriegen, Katrin“ heißen? Haben wir das nicht alle schon mal gedacht? Und ist es nicht so, wie Begemann einst in „Rambo III mit Jochen Distelmeyer im Autokino“ auf dem Album „Rezession, Baby“ (was für ein Titel!) sang: „Jochen, sieh es mal so: Du bist Godard und ich bin Truffaut!/ Und auch für folgende Einsicht ist es nicht zu früh: Du bist Sartre und ich bin Camus“?

Jedenfalls hört er bestimmt lieber Lloyd Cole oder Jonathan Richman als die von Distelmeyer verehrten Eisenpimmel. Ihm liegt das Hoffnungsvolle, Romantische, Himmelstürmende, nicht Punk, nicht Rock.

„Ich bin dann so weit/ Ich glaube ich bin bereit/ Für den nächsten Schritt/ Bitte nimm mich mit zu einem nächtlichen Ritt unter Sternen.“ Da schwelgt er gleich beim ersten Song wieder in Melodien und vergisst darüber das Gitarrespielen. Stattdessen gibt’s – wie leider zu oft auf „Endlich “ – Keyboardteppiche, Kinkerlitzchen und Kim Frank. Letztgenannten genau einmal im bereits erwähnten Realo-„The Girl Is Mine“-Duett „Bist du den Richtigen triffst – nimm mich“.

Gegen Ende versucht Begemann doch noch zu rocken – und scheitert, kehrt hoffnungsvoll zum Pop zurück, und wenn wir Glück haben, hören wir diese neuen Songs bald (wieder) in den definitiven Versionen von den Club-Bühnen.