Bernd Begemann: Prostitution ist ein Deal – kein Verbrechen


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Bezahlte Sexleistungen, die aufgrund von Zwang, Gewalt oder Erpressung stattfinden, sind nicht kriminell – und sind keine Prostitution. Diese Meinung vertritt der Musiker Bernd Begemann, der in der „Welt“ am 10. November einen Artikel zum Thema veröffentlicht hat. Sein Kommentar ist eine Antwort zum Aufruf der Zeitschrift „Emma“ unter Herausgeberin Alice Schwarzer. Die Journalistin hatte 90 Prominente für einen Appell gewonnen, in dem gefordert wird: „Prostitution abschaffen“.

Begemann nennt Schwarzer in seinem Meinungsartikel einen „heimtückischen Demagogen“ und spricht sich für den „Erhalt der Prostitution“ aus, solange er im Einverständnis der Prostituierten statt findet, nicht unter Druck oder Androhungen. Alice Schwarzers „Weltbild“ kritisiert der im Stadtteil St. Pauli lebende Musiker scharf. Schwarzer verteidige „ein hermetisch geschlossenes und rigide ausschließendes System, vergleichbar vielleicht mit dem eines Stalinisten circa 1950: Der große Krieg wurde gewonnen, nun geht es darum, die Welt endgültig in Freunde und Feinde aufzuteilen.“

Auch, so Begemann weiter, dürfe man Prostituierte nicht als Opfer stilisieren, vielmehr geschehe käuflicher Sex zumeist freiwillig. Es müsse deutlich unterschieden werden zwischen einem „Deal“, den Prostituierte und Freier „übersichtlich und zeitlich begrenzt“ vereinbaren, sowie Erpressung, Körperverletzung und Nötigung, was auch Bestandteil des Menschenhandels ist.

Im rund eine Woche zuvor geführten Interview mit der „Welt“ hatte Alice Schwarzer auf eine Quote von „rund 90 Prozent aller Prostituierten“ verwiesen, die aussteigen wollten, aber es nicht könnten. „Nur eine Welt ohne Prostitution, eine Welt, in der Männer nicht für einen Geldschein den Körper und die Seele einer Frau benutzen können, wäre eine humane Welt“, sagte Schwarzer der Zeitung. Man müsse „Menschenhändler, Zuhälter und Bordellbetreiber“ verfolgen können, außerdem solle auch eine „Bestrafung“ der Freier möglich sein, da sie es seien, die für Prostitution überhaupt erst einen Markt schaffen würden. Weiterhin sagt Schwarzer in dem Interview auch, dass die Lobby-Verbände der Prostituierten, die für eine Legalisierung der käuflichen Liebe werben, „in den Händen der Bordellbetreiber“ seien.