Bloc Party Intimacy


Universal


Die notorisch flinken Bewohner des Internets haben das dritte Album von Bloc Party vermutlich schon auf ihre Festplatte gezerrt – die MP3-Version von „Intimacy“ wurde bereits am 21. August zum Download freigegeben. Eine Praxis, die sich immer mehr zu etablieren scheint. Vor allem unter Bands, deren halbfertige Songs schon früher einmal in den Tauschbörsen aufgetaucht sind.

Auch Bloc Party haben in dieser Hinsicht Lehrgeld gezahlt. „Intimacy“ dessen Cover stark an das Debütalbum von Suede erinnert, ist musikalisch ein Fortschritt und deutlich besser als der etwas überproduzierte Vorgänger. Alles Prahlerische und Pathetische, das Bloc Party auf „A Weekend In The City“ die Luft zum Atmen und die Lust am Experimentieren nahm, ist hier weitgehend eliminiert.

Die zehn Stücke sind glasklar und enorm spannend arrangiert – statt falschen Theaterdonner gibt es diesmal echten Druck. Die erste Single „Mercury“ ist zwar wieder (wie die Hälfte des Albums) von Garrett „Jacknife“ Lee produziert, klingt aber eher elektronisch, die Chemical Brothers wohnen in der Nachbarschaft.

Das gilt auch für den Opener „;Ares“, der den hysterischen Rap von Sänger Kele Okereke mit wirbelnden HipHop-Beats und einer schön fiesen Gitarren-Manipulation verbindet. Der Song wurde nach dem Kriegsgott der alten Griechen benannt und handelt von einem körperlichen Zweikampf.

„Halo“ ist dann wieder so eine Hymne, wie man sie auch von den Killers kennt: Hochenergetisch, stolz und mit wehenden Haaren geben Bloc Party hier die moderne Variante der ewigen ROCK-Band. Das wird auf Festivals sicher gut funktionieren. Die zweite Hälfte von „Intimacy“> wurde von Paul Epworth produziert, der auch schon für das Debütalbum von 2005 verantwortlich war.

Obwohl sich die Band damals kontrolliert fühlte und oft glaubte, sich gegen Vorschläge wehren zu müssen: „Ich dachte, dass es noch mehr Dinge gibt, die wir mit Paul machen können. Und ich hatte recht“, freut sich Kele Okereke in einem Interview. Welche Stücke genau von Epworth sind und welche von Lee verrät das Info der Plattenfirma leider nicht.

Das mit Glockenspiel, Rhodes und Mbira (ein afrikanisches Perkussion-Instrument) sehr behutsam daherkommende „Signs“ klingt in jedem Fall sehr besonders und für das Londoner Quartett geradezu ätherisch. Uuml;berhaupt ist „Intimacy“ ruhiger und introvertierter als die Vorgänger. Auch „Biko“ kommt fast zwei Minuten lang nur mit Stimme und einer leisen Gitarre aus.

Dafür bläst das folgende „Trojan Horse“ alles weg, was dieser wüst verfremdeten sonischen Flutwelle von Rocksong im Weg steht. Bloc Party haben sich diesmal dafür entschieden, die ersten zehn Songs, die sie geschrieben haben, aufzunehmen. Eine gute Idee! Die Band hat schon lange nicht mehr so leichtherzig und spielfreudig geklungen.


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