Bob Dylan Triplicate

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Nach diesem seltsamen Nobelpreis ist man geneigt zu glauben, Bob Dylan, fast 76, habe schon alles gehabt, gesehen, gemacht. Hat er aber nicht. „Triplicate“ ist tatsächlich sein erstes Dreifachalbum. Ist irgendein schon existierendes unentbehrlich? „Sandinista!“? Hm. „All Things Must Pass“ (mit Dylans „If Not For You“)? Gewiss „69 Love Songs“, mit knapp drei Stunden Laufzeit erst auf CD möglich.
Bob macht es analog und kürzer. 30 Songs schön gleich verteilt und thematisch (eher willkürlich) unterteilt. Von „’Til The Sun Goes Down“ geht es über die „Devil Dolls“ zum Rausschmeißer „Comin’ Home ­Late“. Anders als die beiden Vorgänger bleibt „Triplicate“ nicht auf Sinatra-Originale/­‑Interpretationen fixiert, gönnt sich aber Ausläufer dieser Obsession, mit „There’s A Flaw In My Flue“, „I Could Have Told You“ und „It’s Funny To Everyone But Me“.

Dylan, ein Normalsterblicher

Wieder schwelgen, schwofen, swingen die Musiker ganz im Dienste von Song und Interpret. Vielleicht hätte man sie öfter mal so frech von der Leine lassen können wie in Dick Haymes’ „Braggin’“, aber bei dem passt die Dynamik halt auch wunderbar zum Sujet.
Warum nun noch eine (umfang­reiche) Zugabe aus dem Great American Songbook? Nu is aber gut, denkt man, wenn sich auch Dylan an Vielgesungenem wie „Stormy Weather“, „Sentimental Journey“ oder „These Foolish Things“ versucht. Dann wieder staunt man, wie zart dieser etwas andere Belcanto immer noch (oder wieder?) klingen kann, beispielsweise in „You Go To My Head“. Es muss für Dylan eine große Befreiung sein, diese Songs zu singen und dabei doch die eine (kleine) eigene Nuance entdecken zu können, befreit von der Erwartung, Eigenes noch mal unerwartet zu interpretieren (oder gar zu schreiben).

„How far is the journey from ­here to the stars?“, fragt Bob Dylan in Irving Berlins „How Deep Is The ­Ocean“ (Jahrgang 1932). Auch für einen Mann mit Nobelpreis immer noch so verdammt tief wie für uns Normalsterbliche. Eine Botschaft, die er nur als Anti-Crooner überbringen kann. (Sony)

‚Sie sprechen hier mit dem Besitzer der Sixties‘: Die 42 Lebensweisheiten des Bob Dylan

TV-Tipp: Wolfgang Niedecken entdeckt „Bob Dylans Amerika“

Wolfgang Niedecken hat sich für eine ARTE-Doku auf die Suche nach Bob Dylans Amerika gemacht und dafür New York besucht. In der Stadt also, in der die Karriere des Musikers ihren Anfang nahm. Künstler, Fotografen, Journalisten und viele Musiker erzählen dem BAP-Frontmann von einer berührenden Bande zwischen der Metropole und dem Songwriter, der in den vergangenen 50 Jahren wie kein anderer den Rock'n'Roll geprägt hat. Doch so wie Dylan befindet sich auch der „Big Apple“ stetig im Wandel. Niedecken lässt sich darüber vor allem von Filmemacher Bob Porco im Greenwich Village und vom New Yorker Künstler Red Grooms, der Dylan…
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