Bob Mould Silver Age


Edsel/Soulfood VÖ: 05. Oktober 2012


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Schon der Titel von Bob Moulds neuem Album strahlt einige Gelassenheit aus. Immerhin gehörte Mould als Drittel der US-Punks Hüsker Dü zu den wegweisenden Rockfiguren der Achtziger, und seit seinem Outing vor 20 Jahren ist er auch noch ein Galionsrocker der Schwulenszene. Bei Hüsker Dü traf sich zu Beginn der Achtziger der

harte, rasante Hardcore-Gestus mit dem psychedelisch sich erhebenden, melodischen Rock von Bands wie den Byrds – die zweite Punkgeneration umarmte schließlich die US-Rockgeschichte.

„Silver Age“ kündet nun vor allem davon, dass diese Generation sich fröhlich aus der Marktverantwortung davonstiehlt. Bekanntlich begrenzt das 50. Lebensjahr die entscheidende Zielgruppe der Marktstrategen, weshalb Mould, Jahrgang 1960, sich andererseits auch nicht mehr darum scheren muss, für wen er seine Musik spielt, sondern silbern auf seinem  Lieblingsrock surfen kann.

Übrigens sieht er mit grauem Lehrerbart und der stoppligen Halbglatze auf deutliche, aber unspektakuläre Weise älter aus, als er ist. Ganz im Gegensatz zu seiner Musik, die drängender und rascher nicht ausfallen könnte. Wobei man schon einschränken sollte, dass sie zwar ganz wundervoll energisch daherbrettert und jüngere Nasen wie Green Day oder Foo Fighters sowohl energetisch als auch an schierem melodischen Einfallsreichtum alt aussehen lässt. Aber die zehn Songs dieses insgesamt zwölften Albums in eigener Regie lehnt sich vor allem an die späte Hüsker-Dü-Zeit und an Moulds großes 92er-Post-Hüsker-Album „Copperblue“ mit seinem Trio Sugar an.

„Silver Age“, ebenfalls in Trio-Besetzung eingespielt, klingt nun sogar noch dynamischer und dichter als dieses, ein brausender, hackend und heulend melodischer Powerpop – es gibt genau ein langsameres Stück. Die Stimme, gern mehrfach verstärkt, verliert sich psychedelisch im machtvollen Bandsound, in den schweren, eiligen Gitarrenriffs und -ranken, dem federnd treibenden Bass und den umstandslosen Punkdrums.

Ein zeitentrücktes, klassisches Album also, voll allerschickstem Silver-Surfer-Punkrock.

Bob Mould – „Silver Age“ by Rolling Stone Magazin


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