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Christiane Rösinger Lieder ohne Leiden

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„Weil ich melancholisch bin, nehm ich das alles schwer/ Und weil ich musikalisch bin, gibt das ein paar Lieder her.“ Christiane Rösinger beherrscht das Einfache, das so schwer zu machen ist: Als Songschreiberin schöpft sie aus dem eigenen Leben, und was sie zutage fördert, ist nicht bloß auf intime Weise selbstironisch, sondern oft allgemeingültig.

Zumindest für Bewohner deutscher Großstädte, die dem linksalternativen Milieu entstammen, den 30. Geburtstag hinter sich haben und unter prekären Bedingungen irgendwas mit Medien oder Musik machen.

Knef aus dem 2. HH

Sechs Jahre dauerte es, bis Christiane Rösinger und Andreas Spechtl einen Nachfolger des gemeinsamen Albums „Songs Of L. And ­Hate“ ­fertig hatten. Doch „Lieder ­ohne Leiden“ ist das Warten wert. Die von dem Ja, Panik-Sänger eingespielte Musik ist jetzt leichter und filigraner: Hier mal ein Cello, dort ein paar Bläser – es wird einem nie langweilig. Rösinger singt dazu wie eine Hildegard Knef aus dem dritten Stock im zweiten Hinterhof: vom Leben angeschlagen, aber keinesfalls bereit aufzugeben. Mit „The Joy Of Ageing“ nähert sie sich hinreißend einem Thema, das im Pop eher selten angesprochen wird: „Das Ende naht, later or sooner/ Für uns alte Babyboomer./ Die Typen sagen: ‚Wir stehen super da.‘/ Die Frauen sagen: ‚Wir sind unsichtbar.‘ “ Das pendelt ständig zwischen bitter und amüsant, doch Rösingers Lakonie nimmt dem Thema die Schwere. Anders treffend und aufgekratzt wie einst die Lassie Singers ist „Eigentumswohnung“.

Da werden all die verdrucksten Argumente auf den Tisch geknallt, mit denen Wohneigentumsbesitzer in der Stammkneipe ihren Status rechtfertigen: „Der Kapitalismus ist an allem schuld/ Wir sind am ­Ende unsrer Geduld/ Wir leben eigentlich selber prekär –/ Wenn das mit der Wohnung nicht wär.“

Rösingers Lieder entstehen gewiss nicht ohne Leiden, das macht auch dieses Album offensichtlich. Doch mit ihrem bitteren Humor bläst diese beste Liedermacherin Deutschlands ihren Schmerz auf wie einen kreischbunten Luftballon. Bis er platzt. (Staatsakt)

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