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Christopher Lee, Lex Barker Die Schlangengrube und das Pendel



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Der erfolgreichste BRD-Film von 1967? Der Aufklärungsstreifen „Helga – Vom Werden des menschlichen Lebens“. Aber dieser hier hatte die beste Besetzung. Dracula, Old Shatterhand und ein Bond-Girl, vereint in einer Edgar-Allan-Poe-Adaption. Christopher Lee spielte den Grafen Dracula, pardon, Regula, Lex Barker einen Advokaten und Karin Dor eine Baroness. Regisseur war die Horrorund Western-Koryphäe Harald Reinl („Winnetou“, „Der Frosch mit der Maske“). Der Film wurde verrissen.

Er ist auch kein Meisterwerk, aber Mut und Manpower sind immer etwas wert, und Poe konnte sich gegen den Figurenneuzugang in seinem Werk – Dracula – ja auch nicht mehr wehren. Produzent Horst Wendlandt und die Constantin Film versuchten sich nach einigen Winnetou- und Edgar-Wallace-Misserfolgen an der Variation einer angloamerikanischen Filmtradition: der Gruselstreifen der Hammer-Studios.

Eine Welle traten sie nicht los, aber Kinogänger übersahen Momente der Ironie: Graf Regula lockt die jungfräuliche Adelige in sein Schloss  (Außendrehort: Detmold) und will sie opfern, damit er Unsterblichkeit erlangt. Doch er verzweifelt an seinem Vorhaben, die alchemistischen Mordinstrumente versagen: „Weil sie nicht genug Angst hat!“ Das beschreibt ein Aus-dem-Film-Treten, als würde auch die Gefesselte alle künstlichen Kulissen erkennen. Es gibt eine Kutsche, einen Quasi-Renfield, Kopfsteingassen, Geier, Verliese sowie Reinls brillante inszenatorische Idee einer Vierteilung Regulas, die im Moment der Zerreißung geschmeidig in eine Zeichnung des Akts übergeht.

Die „Schlangengrube“ fiel ins Flowerpower- und Beatles-Jahr 1967. Es war auch das vor Polanskis „Rosemary’s Baby“, der Geburt des modernen Horrorkinos. Komponist Peter Thomas konterte die Aufbruchsstimmung mit einem seiner feurigen Orchesterchaos-Scores. Sein Soundtrack ist der Edition genauso beigelegt wie zwei Super-8-Fassungen und Dokus. (M-Square Classics)


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