Crocodiles Endless Flowers


Souterrain Transmissions VÖ: 01.06.2012

Ja, das klingt doch sehr reizend, was die Crocodiles auf ihrem dritten Album so daher- schmurgeln. Und recht interessant ist es auch, weil es dem zum Quintett angewachsenen Gitarrenduo aus Kalifornien gelingt, zugleich sehr schwer und überaus leicht zu klingen. Den immer wieder gewinnbringenden Trick kennt man dabei natürlich von verschiedenen historischen Modellen.

Am Grunde ihrer Musik liegt der überstrahlte Sixties-Pop Phil Spectors, die Philosophie von süßen Melodien vor wandhoher Produktion. Offenbar, so das Cover, haben die Crocodiles auch Freude an nackten jungen Männern mit Rosensträußen – ein denkbarer Kommentar zum unterschwellig hochsexualisierten Teen-Sounds Spectors.

Wo Spector jedoch geschwollene Studio-Orchester brauchte, kommt die Wall of Sound hier von den Gitarren. Diese Idee hatten wiederum schon die Ramones, die auf diese Weise ihren rasant surfigen Punk gestalteten, und ein Jahrzehnt später Jesus and Mary Chain, bei denen sie mit dicht vernebelnden Feedbacks neu interpretiert wurde.

Den letzten Ansatz konnte man vergangenes Jahr im trügerisch zärtlichen Dreampop der Cults wiederfinden. Die Crocodiles klingen nun wie die Heavyrock-Interpretation, die Mary-Chain-Fuzzbox gleichsam hinter den Gitarren, die Ramones-Dynamik nicht auf Speed, sondern Fettheit und Lautstärke gegründet. Man könnte die Geschichte auch in Songtiteln erzählen, als „Bubblegum Trash“, der „No Black Clouds For Dee Dee“ sieht und in „Endless Flowers“ wie im Mary-Chain-Honig ertrinkt. Nichts weiter Neues natürlich, das aber sehr hübsch – hart, stumpf und lässig – aufgehübscht.


Eine Fischvergiftung namens Wanda

ROLLING-STONE-Fundstück vom 23. Oktober 2015 Wie beginnt man einen Text, der von einer der schlechtesten Platten der jüngeren Musikgeschichte handelt? Vielleicht so: Die Musik von Wanda ist die Kirche von Satan. Und "Bussi" ist ihr dunkler Gral. "Bussi"? Ja, "Bussi". Wer sich so einen Namen ausdenkt, kann kein guter Mensch sein. Darüber sind wir uns wohl alle einig. In diesem Zusammenhang kann ich gleich mit einem weit verbreiteten popkulturellen Irrtum aufräumen. Böse Menschen haben keine Lieder? Stimmt nicht. Böse Menschen haben viele Lieder und füllen damit ganze Platten. Und diese tragen dann bescheuerte Namen wie "Bussi". Hört man das Album…
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