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Damien Rice My Favourite Faded Fantasy

Atlantic/Warner

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Viele Frauen in aller Welt fragten sich bereits: Wo zum Teufel steckt dieser Damien Rice? Ein Leben ohne Lieder des Gefühlsgiganten war möglich, aber nicht wünschenswert. Rice ist der Weltmeister in der Kategorie „Songs, die in Filmen und Fernsehserien verwendet wurden“. Ein einziges Album, „O“ aus dem Jahr 2002, genügte, um ganz Hollywood auf Jahre hinaus glücklich zu machen: „Cannonball“ und „The Blower’s Daughter“ erklangen in Mike Nichols’ Beziehungsknatsch „Hautnah“, und „Delicate“, „Older Chests“ und „Cold Water“ legten unwiderstehliche Sentiments über Szenen von „O.C., California“, „Dr. House“, „Emergency Room“, „The L Word“, „Dawson’s Creek“, „Lost“, „True Blood“ und „CSI“. Im Jahr 2006 veröffentlichte Rice das Album „9“, dann zerstritt er sich mit der Sängerin Lisa Hannigan, die ihn bisher bei Tourneen begleitet hatte. Immer mehr Serien wurden ohne Songs von Damien Rice gedreht.

Vorbei! „My Favourite Faded Fantasy“ ist alles, was Coldplay und U2 sein wollen und nicht sind, wovon James Blunt und David Gray träumen, was Jeff Buckley und Rufus Wainwright für Momente gelang, was Neil Diamond und Elton John nur bestaunen können: Damien Rice schreibt Songs, die man nicht beiläufig hören kann, die jeden verdammten Augenblick illuminieren, die man nie mehr vergessen wird, die sich aufbauen wie Monster und einen zitternd, schaudernd, aufgelöst zurücklassen.

Der Schlawiner schrummt ein bisschen auf seiner Gitarre und singt dazu brüchig – das macht sein Freund Glen Hansard, das macht Marcus Mumford, das machen die Typen in der Fußgängerzone und in der U-Bahn, das machen Millionen Männer. Und dann, nach drei Minuten vielleicht, singt er: „I don’t want to change you“, man denkt: Ja, das sagen sie alle, und dann kommt ein Piano hinzu, das Lied schwingt sich auf, und dann setzen Streicher ein wie bei den Tindersticks, ein Meer von Streichern, ein Himmel voller Geigen, „Water races, water races down“, alles wogt, und Damien Rice singt noch immer: „I don’t wanna change you“, er wiederholt es wie ein Wahnsinniger: „No, I don’t wanna change you“, und dann haut es einen um, es macht eine Gänsehaut, es macht einen süchtig.

Und er kann es auch mit kleinerem Instrumentarium, mit akustischer Gitarre und Cello, und dann tost das Orchester doch wieder los. „I have tried, but I failed/ I could be wild and free/ God forbid that you might envy me.“ Man kann „The Box“ bereits vormerken für jede zweite amerikanische Serie, die jetzt produziert wird.

Eine Träne ist manchmal bloß Kitsch, aber tausend Tränen lügen nicht.

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