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Dan Stuart with Twin Tones Marlowe’s Revenge

Fluff & Gravy

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Dan Stuart muss den Outsider nicht spielen, er ist einer. Weit hat ihn seine Verachtung für die Welt an sich und das Biz im Besonderen freilich nicht gebracht, bloß nach Mexiko. Dort haust er in einem ziemlich finsteren Loch, eine Hand zur Faust geballt, die andere mit Schreibgerät bewaffnet, um Songs zu Papier zu bringen, die vieles sind: böse, selbstquälerisch, vitriolisch, ehrlich, intelligent, furchtlos, riskant, bizarr, gefährlich, aber nie gefällig. „To live outside the law, you must be honest“, sang Bob Dylan vor 50 Jahren. Dan Stuart lebt diesen Gedanken, bezogen auf die Gesetzmäßigkeiten der Musikindustrie. Was ihn freilich nicht hindert, den heutigen, harmlosen Dylan zu dissen: „The songs you’re singing mean nothing today“, raunzt er und rät: „Go away.“

„Name Hog“ heißt der Song auf Stuarts aktueller LP, „Marlowe’s Revenge“, nicht von ungefähr so betitelt, denn es wird einmal mehr abgerechnet, aus einem selbst gewählten Exil, das dem notorischen Nörgler den nötigen Freiraum sowie jede Menge Futter für seinen Kulturpessimismus bietet. In den Twin Tones, einer bärtigen, schwarz gewandeten Combo, hat der Mann aus Tucson/Arizona südlich der Grenze unverhofft Mitstreiter gefunden, die Green On Red nicht nur verehren, sondern es auch verstehen, ein wenig wie Stuarts vormalige Band zu klingen, auf „Last Blue Day“ etwa. Meist geben sie indes den Punk-Morricone oder poltern adäquat zu Songlyrik, die wüst sein kann und fucked up, aber auch einfühlsam, ja zärtlich.

Dan Stuart werde irgendwann im Gefängnis enden oder in einem Heim für Gestörte, prophezeite sein Partner Chuck Prophet einst. Oder in einer Absteige über einer Disko­thek in Mexico, „still writing real songs“. Davon finden sich hier einige, dennoch wird die LP wieder kaum Käufer finden, Dan Stuart ist sich dessen wohl bewusst. Über seinen eklatanten Mangel an Ambition als Musiker ließ er sich schon in der höchst amüsanten, nicht gerade fakten­huberischen Autobio­grafie „The Deli­verance Of Marlowe Billings“ aus. „A nice blowjob“, liest man da, sei „better than a Grammy.“

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