Neue Podcast-Folge: „Die Streifenpolizei“ über die Favoriten der Oscar-Verleihung

Dave Mason Alone Together


RevOla

Die Tatsache, dass Blue Thumb der Vinylpressung von Dave Masons Solo-Debüt allerlei beige-pastellene Farben beimischen ließ (trotzdem phänomenale Pressqualität), war sicher nicht der Grund dafür, dass er mit diesem Album auf Anhieb in Amerika einen Millionenseller hatte.

Der Name des Mannes, der Jimi Hendrix nahegelegt hatte, sich doch vielleicht mal etwas gründlicher mit dem Schaffen von Bob Dylan zu beschäftigen, tauchte zwar nicht im Kleingedruckten von „Electric Ladyland“ auf. Aber „All Along The Watchtower“ hatte er da nicht nur inspiriert. Als „guitar tech“ für Spencer Davis und Roadie von dessen Band war er durchaus mit der weniger glamourösen Seite des ganzen Rock- Business vertraut, als das noch nicht ganz so „big“ war.

In den Anfängen von Traffic zeichnete er für Drogensong-Satire (das vermeintlich sehr LSD-getränkte „Hole In My Shoe“) und die unwiderstehlichsten Ohrwürmer verantwortlich („You Can All Join In“, „Feelin'“, „Alright“). Er hatte aber nicht nur für solche Ohrenschmeichler mit hohem Erinnerungswert ein Gespür entwickelt, sondern genoss unter Kollegen (auch bei Produzent Jimmy Miller, als der „Beggars Banquet“ gerade produzierte) einen ganz beachtlichen Ruf ob seines höchst eindrucksvollen Umgangs mit diversen exotischeren Instrumenten.

Kooperation

Egal, wie oft und wie heftig er sich in kurzer Zeit immer wieder mit Steve Winwood überworfen hatte: Dieser Ruf (auch der eines vertrauenswürdigen Kumpels, der grundsätzlichen Einzelgänger-Mentalität zum Trotz) ging ihm auch wie Donnerhall in der „Southern Soul’s Rock Revue“ voraus, die Delaney und Bonnie Bramlett begründet hatten.

Als es nach der vielgepriesenen (und auf dem Album „On Tour“ dokumentierten) Tournee mit derselben an die Aufnahmen zum Solo-Debüt ging, war das eine hochprofessionelle Allstar-Angelegenheit. Bruce Botnick und Bruder Doug saßen im Studio in L. A. am Mischpult. Tonmeister AI Schmitt war zuständig für die Abmischung. Die ganze Mannschaft – Keltner, Clapton, Russell, Knechtel usw. – war beteiligt am Fortgang der musikalischen Dinge, für die Mason ganz formidable Songs geschrieben hatte. Ganze acht nur, aber mehr brauchte es da auch nicht.

Die waren – Pop, Gospel, Ballade, Psychedelica – so komplett und meisterlich realisiert, dass man nach den letzten Takten von „Look At You, Look At Me“ die LP sofort wieder umdrehte, um nach dem ausgesprochen gelungenen Clapton-Solo dort gleich noch mal „Only You Know And I Know“ zu hören, einen dieser hinreißend melodischen Klassiker, die dem Mann anscheinend nur so zuflogen. Melancholische Lieder wie „Can’t Stop Worrying, Can’t Stop Loving“ oder „Sad And Deep As You“ boten einen hübschen Kontrast zu der verspielten Jimi-Hendrix-Hommage „Shouldn’t Have Took More Than You Gave“ und dem mit Bluegrass-Banjo arrangierten „Just A Song“

Von Barry Feinstein fotografiert, war das das Cover ein hübscher Gag: dreifach ausfaltbar und an die Wand zu pinnen. Für CD halt unmöglich reproduzierbar. Dafür gab man sich beim Remastering hier ganz besondere Mühe. Das im Kleingedruckten jetzt hochtrabend als „sound recreation“ zu bezeichnen, ist allerdings doch etwas heftig. Man darf sich freuen, dass das jetzt so toll, nämlich auch auf CD endlich genauso gut klingt wie die US-Urpressung!

Das folgende Projekt mit Mama Cass und der ungute Studiomaterial/Live-Mix der dritten LP boten nicht dieselbe Klasse von Songwriting. Aber Blue Thumb-Chef Bob Krasnow mochte den ausgewiesenermaßen höchst talentierten Songschreiber nicht aus dem Vertrag entlassen. Mason musste förmlich Insolvenz anmelden, um aus dem rauszukommen. Dass er danach aber bei Clive Davis unterschrieb, pro Jahr zwei LPs abzuliefern, war doch leicht hirnrissig. Kritisch beäugte er mittlerweile, was er mit der Zeit aufgenommen hatte.

Für „It’s Like You Never Left“ nahm er eine revidierte Fassung von „Headkeeper“ auf – und von „Every Woman“ eine gründlich revidierte, weit bessere für „Dave Mason“. Dafür auch seine eigene von „All Along The Watchtower“, alles prima aufgenommen vom bald mit vielen Grammies dekorierten AI Schmitt und hier zum „twofer“ „It’s Like You Never Left/Dave Mason“ gekoppelt. Natürlich war er auch da für Ohrwürmer wie „Harmony And Melody“ wieder gut. (RevOla/Rough Trade)


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