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David Bowie Blackstar


Sony


von

„Unser Ziel war es, Rock’n’Roll zu vermeiden“, lautet Tony Viscontis Kernsatz zum neuen Bowie-Album. Nach „The Next Day“ von 2013 hat Visconti auch „Blackstar“ produziert, und so viel vorweg: Die beiden haben ihr Ziel erreicht. Mit der kleinen Einschränkung, dass in dem oft eindrucksvoll dunklen Gebrodel eine amtliche Portion Prog-Rock steckt, die einen an King Crimson oder Radio­head (und ein paar Zwischendrins) erinnern kann.

Konzeptionell hat Bowie offenbar die Phase der Lebenswerk-Retro­spektion von „The Next Day“ überwunden. Hier testet er tatsächlich Neues aus, und dies womöglich mit dem Trendgespür der alten Tage – man weiß es ja erst, wenn es einem auf die Nerven geht, weil’s alle machen. Die Anti-Rock-Idee haben Bowie und Visconti von Kendrick Lamar, der seinen HipHop durch Jazzbeteiligung staunenswert erhob. So ähnlich ging Bowie mit diesem Elektropop aus meist bedrohlichen Schlieren und zart apokalyptischem, hallübersteigertem Pathos um. Elementar hineingewunden statt nur draufgelegt überrascht Bowie mit einem auch mal sehr freisinnigen Jazzsaxofon des bisher pop-­unauffälligen Donny McCaslin und kompliziert und kraftvoll rappelnden Drums von Mark Guiliana. Er singt dazu, je nach Dunkelstufe zwischen „Ziggy Stardust“-Schmacht, überspannter „Scary Monsters“-Wundheit sowie deutlichen und beachtlichen Verbeugungen vor der Kunstpein Scott Walkers.

Die Rhythmen bewegen sich, nach dem öffnenden Titel-Zehnminüter und dessen melodisch unterbrochenen, tiefschwarzen Horrorthema, von halsbrecherischem Breakbeat über fein Dubbiges bis zu einem poppigen Schluss, eine musikalische Bewegung von erstickend lichtlos zu ein bisschen hell. Textlich bezieht er sich auf schwule Geheimsprachen, thematisiert angeblich IS, aber auch seinen Penis und New York. Wie der Sound klingen die Texte weh, kryptisch und rätselhaft – am Ende erklärt Bowie, dass er ja nicht alles geben könne. Was man bekommt, ist allerdings eine ungewöhnliche und sehr intensive Menge.


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