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Deerhunter Fading Frontiers


4AD/Beggars

Im Dezember 2014 wäre Deerhunter-Kopf Bradford Cox fast bei einem Autounfall gestorben. Aus dem Krankenhaus postete er zwei Bilder: Ein steifes Selfie mit Halsschiene, „Unglaubliche Schmerzen. Kann mich nicht bewegen“, stand darunter. Das andere zeigte seinen Vater, der neben dem Bett eingedöst war: „Ich danke Gott, dass ich noch am Leben bin und mein Dad bei mir ist.“ Der Unfall sei definitiv ein Wendepunkt in seinem Leben gewesen, sagt Cox, der seitdem die meiste Zeit mit seiner Familie und seinem neuen Hund in seinem Haus verbringt. Die Heilung verlief schleppend, der eh schon zerbrechliche 33-Jährige nahm Antidepressiva, die ihm auch gleich noch die Libido auslöschten – ein gar nicht mal so schlechter Nebeneffekt, wie er sagt: Der „manische Zwang“, der noch den Antrieb des schneidenden, klaustrophobischen Vorgängers, „Monomania“, ausmachte, sei mit ihr verflogen.

Und so klingt „All The Same“, der Auftakt des siebten Deerhunter-Albums, tatsächlich überraschend entspannt und hoffnungsfroh: „You should take your handicaps/ Channel them and feed them back/ Until they become your strengths“, singt Cox, dem ein angeborener Gendefekt während der Pubertät die Glieder spindeldürr und überlang ins Kraut schießen ließ. Mit Das-Leben-geht-weiter-Refrain und plätschernden Steel-Drum-Synthies verbreitet „Living My Life“ danach eine geradezu karibische Stimmung – unglaublich, so etwas über die einst so sperrige Band sagen zu können. Der mittlerweile wasser­stoffblonde Songwriter scheint seine Vorliebe für kaputte Avantgardisten wie Pere Ubu und The Fall mitsamt seinen kaputten Knochen auskuriert zu haben.

Mit „Take Care“ hat Cox sogar eine Popballade im Stil der 50er-Jahre aufgenommen. Eingebettet in frotteeweichen Hall (produziert hat Ben Allen, der bereits am fünften Album, „Halcyon Digest“, mitwirkte) erinnert seine Stimme dabei fast an die von John Lennon, der in Songs wie „Woman“ und „Oh Yoko“ ja auch eine kindlich-naive Liebesbedürftigkeit zu etwas Universellem transzendierte.

Der fiepende Transmitter-Blues „Leather And Wood“ verbindet anschließend noch einmal kongenial das Schräge mit dem Schönen, bevor sich in der zweiten Hälfte die Libido doch noch kurz unter der schillernden Dream-Pop-Decke zu regen beginnt. „Snakeskin“ scheppert cool nach vorn wie ein Hybrid aus T. Rex und Supergrass.
Bradford Cox’ 71-jähriger Vater findet übrigens, dass „Fading Frontier“ das bisher „musikalischste“ Deerhunter-
Album geworden sei. Außerdem sei es schön, dass man nun endlich mal verstehen könne, wovon sein Sohn eigentlich singe.


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