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Depeche Mode Delta Machine


Sony

Grundsätzlich sind Depeche Mode immer noch eine gute Idee – eine Band, die aus so unterschiedlichen Typen besteht und seit 33 Jahren zusammenhält (mal großzügig vom Ausstieg Alan Wilders abgesehen). Man muss sie mögen: den schüchternen Martin Gore, der so viele faszinierende Liebes- und Leidenslieder geschrieben hat. Den extrovertierten Dave Gahan, der immer zwischen Rockstar und Büßer schwankt. Den stets unterschätzten Andrew Fletcher, der witziger ist als beide zusammen. Das Konzept Depeche Mode ist bewundernswert: eine Band, die mit Synthie-Pop für Kids begann und drei Dekaden später in Stadien spielen kann, obwohl sie schon lange keine Hits mehr schreibt.

Und da ist das Problem: Wo sind, verdammt noch mal, die Hits? Auf dem schwachen Vorgänger „Sounds Of The Universe“ (2009) gab es immerhin das Wutlied „Wrong“, während sich auf „Delta Machine“ gleich gar kein Song als Single eignet. „Atmosphärisch“ nennen Fans Lieder wie „Heaven“ dann euphemistisch, weil man sich die Wahrheit nicht eingestehen will: Martin Gore schreibt keinen zwingenden Chorus mehr, so wie damals bei „Enjoy The Silence“, „People Are People“ (das sie jetzt auch noch für eine Autowerbung verscherbelt haben) oder zwei Dutzend anderen. Und Dave Gahan – nichts für ungut, aber Songschreiben war nie seine Stärke.

Es fängt gar nicht schlecht an, dieses 13. Studioalbum. „Welcome To My World“ erzählt von drama queens und Teufeln, der Beat ist ein bisschen verstörend. Leider versucht Gahan jetzt dauernd zu zeigen, was er alles singen kann. Aber die Schleifen und Kurven, das Auf und Nieder – das ist Morrisseys Revier oder meinetwegen Bonos. Gahan klingt dagegen im sonst schön schwungvollen „Secret To The End“ fast wie Pete Burns. Wenn er in „Broken“ ganz bei sich ist, cool und bestimmt, flackert kurz die alte Magie auf, wie auch beim dynamischen „Soft Touch/Raw Nerve“. Nicht nur manche Songtitel klingen, als hätte man sie schon gehört: „Angel“, „Alone“, „Slow“ … Letzteres zeigt, wie laaaang 3:40 Minuten sein können – während „ Soothe My Soul“ gern ewig dauernd darf: Es ist beängs­tigend, ungeduldig, sexy – und keine Sekunde langweilig. Eine Ausnahme.

Wenn Martin Gore in „The Child Inside“ auf seine wunderbar zurückhaltende, immer etwas zitternde Art singt „You really should have dug a little deeper there“, will man antworten: Genau, mach doch mal! Vielleicht war es dem bekennenden Faulpelz zu mühsam, richtige Songs zu schreiben? Auf ein Album hätten sie in dem Fall verzichten sollen. Ach so, die Tour war schon gebucht? Na, live werden sie sowieso nur drei, vier neue Stücke spielen. Dann können wir uns alle einfach wieder darüber freuen, dass es Depeche Mode gibt.


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