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Devendra Banhart Ape In Pink Marble

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Das Cover erinnert an die Outsider-Art aus der Sammlung Prinzhorn oder die Werke anderer verrückter Kunst-Eigenbrötler wie Friedrich Schröder Sonnenstern. Auch Devendra Banhart war zu Hochzeiten des sogenannten Freak-Folk der Verrückteste und Kreativste eines ganzen Genres, ein heiliger Clown mit Vollbart und Perlen im langen Haar, der mit verqueren Folkrock-Karikaturen gleichermaßen Erleuchtung und Irrsinn ausstrahlte.

Zehn Jahre später trägt der heute 35-Jährige die Haare akkurat gestutzt, auch seine Musik enthält kaum noch Spuren jener vogelfreien Spinnereien, die ihn einst so auszeichneten, Tierfabeln über kleine gelbe Spinnen oder Hymnen auf „so many little boys I want to marry“. Was ausufernd, hibbelig und sperrig an seinen Kompositionen war, ist auf „Ape In Pink Marble“ zu ruhigem, spirituell angehauchtem Ambient-­Folk zerflossen.

Wer das Werk des in Venezuela aufgewachsenen Musikers nicht kennt, könnte Songs wie „­Theme For A Taiwanese Woman In ­Lime Green“ oder „Linda“ gar in eine Reihe mit den akustischen Lounge-­Relaxantien von Jack Johnson oder Nouvelle Vague einordnen. Doch glücklicherweise schafft es Banhart sogar mit Flüster-Folk, einen in diese körperlos leichte Stimmung zu versetzen, die unmittelbar dem Alltag enthebt und sich dabei trotzdem vertraut anfühlt. Besonders schön gelingt ihm diese Kunst im psychedelischen „Mara“ und im fragilen, von einer japanischen Koto begleiteten „Mourner’s Dance“. Das meditative Tempo der 13 Stücke zieht nur in „Fancy Man“ und „Fig In Lea­ther“ minimal an.

In Letzterem, einer kapriziösen Disco-Miniatur, hört man auch wieder deutlich, dass Banhart nach wie vor einen anderen, ganz eigenen Zugang zur Realität besitzt. Herrlich schwül, far-off und gespreizt klingt seine Stimme, als er die verborgene Tür dort dem Hörer öffnet: „Hello, is that you?/ Come right in and have a seat/ Remove your shoes, enjoy some fruit/ Did I mention have a seat?“ Man sollte dieser Aufforderung unbedingt nachkommen. (Nonesuch/Warner)

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