Die Ärzte: Auch (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Die Ärzte Auch


Hot Action VÖ: 13.04.2012


von

Die Toten Hosen veröffentlichen in diesen Tagen ja auch ein neues Album, nur drei Wochen nach den Ärzten – und am liebsten hätten wir den außerordentlichen Zufall für ein Gegenüberstellungs-Update genutzt. Leider war von den Hosen vorab nur die Single „Tage wie diese“ zu hören, auf der Campino anti-alkoholischer, kreditwürdiger, gewissermaßen silbermondiger klingt als je zuvor – während die Ärzte auf „Auch“ (der zwölften Studio-platte seit 1984) im Großen und Ganzen noch so spätpubertär agieren wie, nun ja: 1984. Die etwas albernen Bandnamen halten die Punk-Vergangenheit dieser zwei deutschen Stadion-Acts ja bis heute präsent. Und obwohl Erwachsenwerden natürlich an sich total super ist: Die Momente, in denen Hosen und Ärzte der Welt beweisen wollten, was für verantwortungsbewusste Amtsanwärter aus ihnen geworden sind, waren oft die schwächsten.

So gesehen füllt das Trio Bela B./Farin Urlaub/Rod González mit den allermeisten dieser 16 Stücke eine heute fast einzigartige – und 2012 den Toten Hosen völlig gegenläufige – Pop-Rolle: Männer aus der Mitte des Lebens, die Songs für junge Leute singen. Explizit nicht für Gleichaltrige, höchstens für die unter ihnen, die noch ähnlich begeistert mit ihren Superman-Figuren, Metal-Gitarren und ab und zu den eigenen Pimmeln spielen.

„Fiasko“ zum Beispiel ist ein tolles Lied über die Angst, Mädchen anzusprechen. Ein kapitales Problem, über das sonst niemand mehr schreibt. „Bettmagnet“ handelt vom sinnlosen Fernsehen im Bett, „Cpt. Metal“ vom Heilsversprechen der lauten Musik. Ab und zu machen sie aus dummen Bemerkungen ganze Songs, große Poeme aus Kinderreimen, und Stilübungen wie „TCR““merkt man deutlich an, wie viel Chemiebaukasten-Spaß sie dabei im Studio hatten. Höhepunkt ist „Tamagotchi“: eine herrliche Schnulze über Vatergefühle, die sogar kleine Schlingel haben. Das geht freilich nur ironisch, denn boys don’t cry.

Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum die Ärzte von vielen nicht gemocht werden: Man fühlt sich schnell zu alt für sie. Obwohl man’s gar nicht ist. Wenn jetzt noch einer sagt, das könnte doch Punk sein – dann hat er vielleicht sogar ein bisschen recht.

Mehr Videos von den Ärzten gibt es hier auf tape.tv!


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