Dim Lights, Thick & Hillbilly Music: "1951-55" (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Dim Lights, Thick & Hillbilly Music „1951-55“



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Tom Pettys abfällige Bemerkung, was heute unter der Bezeichnung Country Music gesendet und gekauft werde, sei weithin allenfalls „bad rock music with a fiddle“, mögen Fans der Gattung mit einigem Ingrimm registriert haben. So ganz falsch liegt er damit trotzdem nicht.

Eine durchaus ähnliche und in den Parallelen bemerkenswerte Entwicklung hatte diese Musik allerdings schon einmal in jenen Jahren erlebt, die dieses Fünfer-Pack mit den wichtigsten Country-Songs der frühen 50er Jahre dokumentiert. Anders als im Fall von Rhythm & Blues und DooWop dominierten die Major Companies das Geschäft mit Country Music. Nicht nur war das für die richtiges big business geworden, jetzt entdeckten auch die Crooner-Idole jener Jahre die „Pop“-Qualitäten von den gar nicht so hinterwäldlerischen Liedern wie „Cold, Cold Heart“ mit ihren universellen und zu Herzen gehenden Botschaften. Diese Komposition war 1951 einer der Songs des Jahres, aber nicht im Original von Hank Williams, sondern in der Cover-Version von Tony Bennett – übrigens nur einer von vielen! Williams selber hatte für diese Popstars und -Bands, die seine Hits ins Repertoire übernahmen, im Grunde nur Verachtung übrig.

Sender, wie sie Robert Altman in seinem letzten Film so nostalgisch zeigte, florierten damals landesweit. Radio war noch nicht so weit formatiert, dass nicht auch Rundfunkstationen etwa in New York mit einigen für Country-Fans reservierten Programmstunden eine einschlägige Klientel bedient hätten. Aber Klassiker wie Kitty Wells‘ „It Wasn’t God Who Made Honky Angels“ oder Hank Thompsons „Wild Side Of Life“ und erst recht ein Heuler wie das von den Louvin Brothers geschriebene „Are You Teasing Me“ erreichten doch weiter vornehmlich eingeschworene Fans.

1953 standen dem ganzen Genre beträchtliche Veränderungen ins Haus, 1954 noch gravierendere. Jetzt war Eddy Arnold ganz klar der best-selling artist, der diese ganze Hillbilly Music in den verräucherten Provinz-Kaschemmen im Grunde seines Herzens verachtete und viel lieber Crooner à la Bing Crosby oder Perry Como gewesen wäre. Hank Williams hatte als letzten Song „Take These Chains From My Heart“ aufgenommen, mit dem er posthum am 6. Juni 1953 zum letzten Mal die Nr. 1 der Hitparade wurde. Jungspunde wie Jim Reeves waren genau genommen nicht so waschecht in der Wolle gefärbte Country-Originale.

Wie durch einen wundersamen Zufall betrachteten verschiedene Country-Interpreten einen Hit von Big Mama Thornton auf einmal als ideale Vorlage für eigene Aufnahmen. Auch Tommy Duncan, der hier mit dem von Jerry Leiber/Mike Stoller/Johnny Otis komponierten Ohrwurm zu hören ist. Seine Version von „Hound Dog“ hatte aber entschieden mehr mit Bessie Smith, New Orleans Rhythm & Blues und hawaiianischer Folklore zu tun – ein fürwahr bizarrer Mix. Zu einem der größten Hits aller Zeiten machte das dann erst drei Jahre später Elvis Presley.

Von letzterem findet man hier natürlich auch „I Forgot To Remember To Forget“, seinen ersten Nr. 1-Hit in der Country-Hitparade. Aber es sind die rareren Aufnahmen, die dies Projekt zu einer wunderbaren Fundgrube machen.

Franz Schöler


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