Toggle menu

Rolling Stone

Back to top Share
Artikel teilen
  • Facebook
  • Twitter
  • Google+
  • Whatsapp
  • Email
Search

Dirty Projectors Dirty Projectors

E-Mail
Facebook Twitter Google+ Whatsapp Email Kommentare
von

Beginnen Sie dieses Album am besten mit dem Stück „Winner Take Nothing“. Er ist zwar auch auf Dauer das beste, aber vor allem gibt er seinen Hörern noch recht konventionelle Halteleinen aus Pop-, Soul- und Beat-Geschichte mit. Ein ganz wunderbarer Song, ungefähr in der Mitte dieses achten Albums, mit sehnend schwebendem Falsett, zischend metallischen Claps, bauchiger Bassdrum, unerklärlichen Breaks und funky schrägen, an- und abschwellenden, rätselhaften Schabesounds. Diese Mittel bestimmen im Ganzen keinen kleinen Teil dieses tollen Albums, wobei die Beats und Stimmen in je unterschiedlichen Formen der Auflösung, des Bratens, Brutzelns und Siedens auftauchen, und die Stimme erscheint in vielen Bon-Iver-artigen Layern und Verfremdungen, unterstützt auch mal von So­lange ­Knowles, der R’n’B-Sängerin der Stunde.

Wie aus Williamsburg

Oft hat man den Eindruck, als hätte ein elektronisch begabter Jazzer Timbalands Futurismus bei den Soloalben Justin Timber­lakes für die aktuelle Clublandschaft neu bedacht. Dies ist jenseits der schmerzvollen Schönheit einiger der Tracks interessant, weil Timberlake schon 2004, zu Zeiten des Dirty-Projectors-Debüts, „The Glad Fact“, zu den Lieblingen von David Longstreth zählte – neben, so hieß es, Beethoven, Led Zeppelin und Wagner. Klar, muss man nicht so ernst nehmen, und tatsächlich hörte sich dieses Album noch sehr nach durchgeknalltem Indierock aus Brooklyns hippem In‑Stadtteil Williamsburg an. Andererseits klingt nun dieses (wie ein Debüt nach der Band betitelte) Album ein bisschen wie eine durchgeknallte Elektroproduk­tion aus Williamsburg, und wie damals ist Longstreth hier nach einer Trennung wieder wesentlich allein und hörbar betrübt.

Im ersten Track, dem verschlurft-verdrehten „Keep Your ­Name“ geht es darum, trotzdem den Bandnamen zu behalten. Wie er seine private wie musikalische Langzeitpartnerin und Gitarristin, Amber Coffman, traf und verlor, behandelt die kleine Progsoul-Oper „Up In Hudson“ mit großartig arrangierten, kontrastierenden Bläserschüben, komisch wackelnden Shuggie-Otis-Trommeln und weit ausladendem Gesang. Und am Ende zeichnet er in „I See You“ zu einer geisterhaft verzerrten „A Whiter Shade Of Pale“-Orgel den Silberstreif der Versöhnung an den Horizont. (Domino)

E-Mail

Nächster Artikel

  • Depeche Mode Some Great Reward
    17. März 2017

    Wir hörten einen cleveren Zusammenschnitt aus Tockern und Schlagen, Aufeinanderprallen und Ablösen, Metall auf Metall, dazwischen Luft, das einen ganz eigenen, von niemand anderem je reproduzierten Rhythmus ergibt. Nach diesem Album wurden Depeche Mode zu einer einzigartigen Band.

Vorheriger Artikel