Distance, Light & Sky Casting Nets


Glitterhouse


von

Unter den musikalischen Abenteurern ist Chris Eckman vielleicht der am seltensten besungene. Was eventuell daran liegen könnte, wie uneitel er bei der Wahl seiner Projekte vorgeht. Weil er seine Fähigkeiten auch mal in den Dienst von anderen stellt. „Casting Nets“ ist jedoch ganz seine Platte. Für sie hat er einige der schönsten Songs jenseits der Walkabouts geschrieben. Wobei es einige augenfällige Parallelen zu seiner Haupt-Band gibt. So ergänzt die niederländisch-britische Sängerin und Songschreiberin Chantal Acda („Light“) Eckmans gutturales Brummeln mit entrückten Harmonien, die denen von Carla Torgerson auf den Walkabouts-Alben ähneln.

Der Dritte im Bunde ist der belgische Komponist und Perkussionist Eric Thielemans, der sich mit seinen Beiträgen jedoch andächtig im Hintergrund hält und nur hier und da mit leisem Beckenrauschen oder sachtem Shuffle neue Horizonte andeutet. Eckmans raumgreifende Stücke atmen den Schönklang von Lambchop und die Weite der Cowboy Junkies, sind aber weder gekünstelt noch schwermütig. Eher schwebt über allem eine wehmütige Transzendenz. Das Titelstück geht von perlender Piano-Meditation in einen brüchigen Folk-Pop-Chorus über.

Die besten Songs auf „Casting Nets“ brauchen eine gefühlte Ewigkeit, um ihre ganze Klarheit, ihre ganze Morgentaufrische zu entfalten und das letzte bisschen Schläfrigkeit abzustreifen. „The light told us to love/ And leave the soil below/ And everything we know“, duettieren Acda und Eckman im traumversunkenen „Souls“. Man lässt sich diese wohltemperierte Langsamkeit gern gefallen, auch wenn durch den „50’s Song“ ein Hauch zu viel Xylofon und Kinderlied-Niedlichkeit weht. „Western Avenue“ dagegen hat ein beinahe ungewöhnlich engagiertes Tempo, getrieben von akustischer Gitarre und Schellenkranz. Bei „Still On The Loose“ und „Cold Summer Wood“ wünscht man sich jedoch, diese fabelhaft schimmernde Musik möge nie verblassen