Editors In Dream

PIAS/Rough Trade

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Da haben uns die Editors ganz schön an der Nase herumgeführt! Wähnten wir sie mit dem in Nashville produzierten vierten Album, „The Weight Of Your Love“, bereits an Amerika verloren und im Konkurrenz­kampf mit den Kings Of Leon, so legen die Birminghamer nun eine Vollbremsung hin und peitschen volle Kanne zurück. Da sie sich zurückgezogen in den schottischen Highlands wieder elektronischen Varianten zugewandt haben, kann man „In Dream“ als direkten Nachfolger von „In This Light And On This Evening“ betrachten, dem dritten Werk von 2009.

„No Harm“, der erste neue Track, den die Band vorzeigte, schien ein Zugeständnis an die Schwarzkittel­fraktion zu sein, die sich immer noch ein Joy-Division-Revival-Album von den Editors wünscht, getragen von einem spacigen Beat. Tom Smith gibt hier jedoch alles, zeigt die ganze Bandbreite seiner Sangeskünste, vom Bariton hin zum Falsett. Schöne Grüße an Nick Cave und Thom Yorke! „I’m a go-getter“, behauptet Smith – „ich bin ein Mann der Tat“. Als überraschend leichtfüßig und eingängig entpuppt sich „Ocean Of Night“, das zunächst vom Piano bestimmt wird, bevor sich der Song immer mehr entfaltet. Die Backing-Vocals stammen von Slowdives Rachel Goswell, eine perfekte Ergänzung. „Forgive­ness“ bricht mit einem 80er-Jahre-Synthie-Intro weniger behutsam an – dennoch kann man sich der Erhaben­heit des Tracks und Smiths Vortrag nicht verschließen. Insbesondere wenn er „The flag in your hand don’t make you American“ konstatiert und „Be forever young“ fordert. Wo wir schon bei den Eighties sind: Auf „Our Love“ nähern sich die Editors tatsächlich Bronski Beat so weit wie nur möglich an, bevor sie im furiosen Finale – anders als bei Journey, aber ähnlich vehement – insistieren: „Don’t start believing!“ Mit fast acht Minuten bilden die „Marching Orders“ einen würdigen Abschluss.

So abwechslungsreich zeigten sich die Editors noch nie. Aber auch wenn es vielleicht nicht immer gleich offensichtlich war: Bisher klang jedes ihrer Alben anders.

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