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Elizabeth Harrower In gewissen Kreisen

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Jedes Mal wenn Marcel Reich-Ranicki die großen unglücklichen Ehefrauen der Weltliteratur – „Effi Briest“, „Madame Bovary“ oder Isabel Archer aus Henry James’ „Bildnis einer Dame“ – aus dem Hut zauberte, dann ahnte man: Ihm gefällt das Buch. Auch sein amerikanisches Pendant, der bekannte Literaturkritiker James Wood, scheut den Vergleich mit Fontane und James nicht, wenn er den Werdegang der schönen, selbstbewussten und wohlbehüteten Hauptfigur in Elizabeth Harrowers „In gewissen Kreisen“ zu beschreiben versucht: einer Frau, „zermahlen in der Mühle der Konventionen“. Doch zunächst begegnen wir Zoe als 17-Jähriger in ihrem intellektuellen australischen Elternhaus. Ihr Bruder, zurückgekehrt aus dem Zweiten Weltkrieg, stellt ihr eines Tages ein Geschwisterpaar vor. Beide sind Waisen, der leicht rebellische Bruder muss einen unliebsamen Vertreterjob annehmen, um für die jüngere Schwester zu sorgen. Zoe wird ihn nach ihrer Rückkehr aus Paris – dort versuchte sie sich als Fotografin – heiraten und irgendwann mit ihm am Pool liegen: „Sie fröstelte und zog ihren Frotteebademantel über, klugerweise ohne an die Vergangenheit oder die Zukunft zu denken.“ Das ist nur einer von vielen so unsagbar kühlen Sätzen, die von verlorenen Illusionen in Partnerschaften erzählen. Harrower verzahnt dafür die Geschichten der Geschwisterpaare und führt noch eine weitere, psychologisch ungemein interessante Figur ein: die Ehefrau von Zoes Bruder. Dabei sollte der 1971 fertig gestellte Roman gar nicht erscheinen. Die mittlerweile 88-jährige Australierin, die in jungen Jahren als viel beachtetes Talent bereits Bücher veröffentlicht hatte, zog ihn aus nicht ganz klaren Gründen zurück und verließ die literarische Bühne. Im Zuge ihrer Wiederentdeckung wurde das Meisterwerk vor zwei Jahren erstmals veröffentlicht. Manchmal gibt es also doch noch Hoffnung, wie am Ende dieser elegant geschriebenen Geschichte, die sogleich den Beginn des Feminismus markiert – eines ernst gemeinten, für drollige Feuilletondebatten eher ungeeigneten. (Aufbau Hardcore, 22,95 Euro)

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