Buchrezension

  • Ups..

    Arne Reimer

    - American Jazz Heroes, Volume 2

    Die USA sind mit ihrer ureigensten Sound-DNA oft nachlässig umgegangen – signifikant, dass ein Ausländer dem Erbgut hier ein Denkmal setzt. In seinem zweiten Band über die Jazzhelden hebelt der deutsche Fotograf Arne Reimer die klassische Interviewsituation aus und findet zu den 50 Porträtierten einen tiefenscharfen Zugang, festgehalten in einer Fülle respektvoller, manchmal fast magisch […] mehr…

  • Ups..

    Chris Welch - David Bowie. Ein Leben in…

    Die Veröffentlichungsflut nach Bowies Tod machten bislang vor allem Bildbände aus. Auch dieser wirkt edel: Alles drin, von Ziggy Stardust bis zum „Let’s Dance“-Popper. Leider sind sämtliche Bilder längst bekannt und ausgerechnet die bekanntesten auf Doppelseite großgezogen. Chris Welchs („Melody Maker“) Essay vermag die zum Ende hin konfuse Foto-Chronologie (Ziggy, 1973, wird mit dem Goblin […] mehr…

  • Ups..

    J. C. Gabel/Jessica Hundley - Beyond the Beyond: Music From…

    Das Unheimliche in den Filmen von David Lynch wird schon seit seinem Regiedebüt, „Eraserhead“, über die akustische Ebene zumindest verstärkt. Heizungen brummen wie Miniaturfabriken, Streichhölzer explodieren mit ohrenbetäubendem Lärm. Auch die Wahl des popkulturellen Soundtracks ist bei Lynch gekonntes Kalkül: Rammstein verdanken ihre Weltkarriere wohl vor allem „Lost Highway“; auch hätte niemand vor „Blue Velvet“ […] mehr…

  • Ups..

    Widerfahrnis - Bodo Kirchhoff

    Der Frankfurter Bodo Kirchhoff operiert mittlerweile äußerst produktiv auf der Höhe seiner Kunst. Stets erzählt er dabei von Lebensfluchten, denen er mit der Novelle „Widerfahrnis“ nun auch die der Flüchtlinge hinzufügt. Wobei wir aus dem Kopf des Erzählers, Kirchhoffs Alter Ego, meist nur schwer ausbrechen können. Dieses entwirft darin Bilder von ergreifender Schönheit und Altersweisheit, […] mehr…

  • Ups..

    Die Welt im Rücken - Thomas Melle

    Irgendwann in dieser zwischen Selbstentblößung und Selbstbefreiung changierenden Prosa übernimmt die Ausweglosigkeit, die Thomas Melle seit Jahren empfindet, den Erzählrhythmus. Die Realität des Autors und Übersetzers, der sich als eine „Gestalt aus Gerüchten und Geschichten“ sieht und nun dagegen anschreibt, verschiebt sich erneut ins Zentrum der „monumentalen Verzerrung“ der Welt. In Bukowski-Manier stört er schließlich […] mehr…

  • Ups..

    Wie alle anderen - John Burnside

    Der Schotte John Burnside ist vielleicht der letzte Mystiker unserer Tage, zeigt er seinen Lesern doch in seinen düsteren, nicht selten apokalyptischen Romanen und seinen Gedichten, die nun endlich in dem jüngst erschienen zweisprachigen Band „Anweisungen für eine Himmelsbestattung“ auch in deutscher Übertragung vorliegen, die Geheimnisse hinter den Erscheinungen. Das gilt umso mehr für seine […] mehr…

  • Ups..

    Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters - Dmitrij Kapitelman

    Der nichtgläubige Spross einer Rabbinerdynastie Leonid Kapitelman kam Anfang der 90er-Jahre mit Frau und Sohn aus Kiew nach Leipzig. Die jüdischen Kontingentflüchtlinge fanden in einem der Plattenbauviertel eine Wohnung, Leonid eröffnet einen Russische-Spezialitäten- Laden, der mehr schlecht als recht läuft. Als Leipzigs Pegida- Ableger eine ganze Straße in einem linken Szeneviertel zerlegt, fragt sich Leonids […] mehr…

  • Ups..

    Onno Viets und der weiße Hirsch - Frank Schulz

    Für den nach „Onno Viets und der Irre vom Kiez“ und „Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen“ dritten und zentralen Band um den liebenswürdigen Lebensversager Onno Viets schickt Frank Schulz seinen Protagonisten auf eine Landpartie. Nach seiner hanebüchenen Begegnung mit dem Irren vom Kiez leidet Hamburgs skurrilster Privatdetektiv an einer posttraumatischen Belastungsstörung und […] mehr…

  • Ups..

    Die Toten - Christian Kracht

    Christian Kracht mache in seinem Roman demokratiefeindliches Denken mainstreamfähig, schrieben Rezensenten zum Vorgänger, „Imperium“ – der Fall wurde so hitzig diskutiert, dass der Leinenanzug tragende Kosmopolit sich außerstande sah, nach Deutschland zu kommen, um daraus zu lesen. Auch in „Die Toten“ findet der Suchende wieder problemlos jene antimoderne Faszination für eine Zeit, in der noch […] mehr…

  • Ups..

    Elena Ferrante - Meine geniale Freundin

    Wer im vergangenen Jahr einen englischen Buchladen betreten hat, wird dort die Romane einer allem Anschein nach italienischen Autorin namens Elena Ferrante in der Auslage gesehen haben. Die Buchcover mit ihren ins Kitschige verfremdeten Fotografi en von Mädchen und Frauen, die dem Betrachter den Rücken zuwenden, gaben die Ahnung, es handle sich hier um sogenannte […] mehr…

  • Ups..

    Christoph Maus - Bob Dylan Worldwide

    Es gibt natürlich unzählige Bücher über Bob Dylan, aber so wie hier ist seine Karriere bisher noch nicht erzählt worden. Die großformatige „Anthology Of Original Album, Singles & EP Releases 1961–1981“ zeichnet anhand von kenntnisreich kommentierten Plattencovern die ersten 20 Jahre in Bob Dylans Schaff en nach. Bis 1965 erschienen seine Songs lediglich in den […] mehr…

  • Ups..

    J. G. Ballard - High-Rise

    Rechtzeitig zur Verfilmung durch Ben Wheatley wird J. G. Ballards Roman aus den Siebzigern wieder aufgelegt. Der frisch geschiedene Arzt Robert Laing gehört zur Mittelschicht des 40-stöckigen Hochhauses an der Peripherie Londons. Zu Beginn von „High-Rise“ verspeist er auf seinem Balkon einen Hund. Drei Monate zuvor stieß man auf die Vollbelegung der Luxusimmobilie an. Doch […] mehr…

  • Ups..

    Hans-Ulrich Treichel - Tagesanbruch

    Die Mutter hält ihren an Krebs verstorbenen Sohn in den Armen und erzählt ihre Geschichte. Vom Nachkriegsleben in der westfälischen Provinz nahe der Grenze zu Niedersachsen. Vom Textilladen für Arbeitsbekleidung, den sie mit ihrem kriegsversehrten Mann führte. Vom Klavier, auf dem nie jemand spielte, weil sich der Sohn dann doch lieber auf dem batteriebetriebenen Plattenspieler […] mehr…

  • Ups..

    Elizabeth Harrower - In gewissen Kreisen

    Jedes Mal wenn Marcel Reich-Ranicki die großen unglücklichen Ehefrauen der Weltliteratur – „Effi Briest“, „Madame Bovary“ oder Isabel Archer aus Henry James’ „Bildnis einer Dame“ – aus dem Hut zauberte, dann ahnte man: Ihm gefällt das Buch. Auch sein amerikanisches Pendant, der bekannte Literaturkritiker James Wood, scheut den Vergleich mit Fontane und James nicht, wenn […] mehr…

  • Ups..

    Cheryl Della Pietra - Gonzo Girl

    In den frühen Neunzigern kommt es längst nicht mehr darauf an, wie gut das ist, was der große Walker Reade alias Hunter S. Thompson schreibt, sondern darauf, dass er überhaupt mal schreibt. Sein Talent wird langsam von dem stetig wachsenden Haufen dumm machender Substanzen verschüttet. Alley Russo alias Cheryl Della Pietra wird als Haussklavin eingestellt, […] mehr…

  • Ups..

    Judith Hermann - Lettipark

    Mit „Sommerhaus, später“ gelang Judith Hermann 1998 ein viel beachtetes, enorm erfolgreiches Debüt, das zu einer Renaissance der Erzählung führte. Nach dem eher gespalten aufgenommenen Roman „Aller Liebe Anfang“ kehrt Hermann mit „Lettipark“ zu ihrem Ursprung, der Kurzgeschichte, zurück. Mit der Autorin sind auch die Figuren ihrer Erzählungen älter geworden. Die larmoyant-antriebs losen Mittzwanziger der […] mehr…

  • Ups..

    Pénélope Bagieu - California Dreamin’

    Als Cass Elliot 1964 zum ersten Mal die Beatles hört, ist sie so begeistert dass sie spontan eine Band gründet. Ihren The Mamas & The Papas winkt sogar ein Plattenvertrag, aber nur unter der Bedingung, dass die als nicht fernsehtauglich angesehene Cass abnimmt. Die Band lehnt ab und komponiert stattdessen die nicht totzukriegende Hippiehymne „California […] mehr…

  • Ups..

    Terry O’Neill & Gered Mankowitz - Breaking Stones. 1963–1965

    Bildbände über die Rolling Stones gibt es einige, vom Billigding bis zum sündteuren Schmuckband. Hier kommt eine sauber kuratierte Gemeinschaftsarbeit aus der Frühzeit der Band. Gerade die Bilder von Terry O’Neill, der für heutige Verhältnisse unfassbar nah an die Band herankam, haben das spätere Image geformt, das Mankowitz mit seinen Arbeiten auf der US-Tour ab […] mehr…

  • Ups..

    Truman Capote - Wo die Welt anfängt

    In der „Paris Review“ erklärte Truman Capote 1957: „Zu viele Schriftsteller betrachten das Schreiben von Kurzgeschichten als eine Art Fingerübung. Nun, in diesen Fällen sind es sicherlich nur ihre Finger, die sich üben.“ Dabei verschwieg die spätere Klatschbase, dass er vor seinem ersten offiziellen Romandebüt, „Andere Stimmen, andere Räume“, mit 14, 15 und 16 Jahren […] mehr…

  • Ups..

    John Fante - Little Italy

    Nach jahrzehntelanger künstlerisch frustrierender, allerdings einträglicher Hollywood-Lohnschreiberei hatte die literarische Öffentlichkeit John Fante schon so gut wie vergessen. Aber dann zerrte ihn Bukowski Ende der 70er-Jahre aus der Versenkung hervor und bescherte ihm damit kurz vor seinem Tod noch eine hübsche Renaissance. Den verdienten Nachruhm gab’s obendrauf. Diese hierzulande bisher umfangreichste Sammlung seiner Short Storys […] mehr…