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Elvis Presley The Album Collection

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Einen originellen ersten Satz zu Elvis schreiben zu wollen ist eine trostlose Ambition. Ich nehme mal diesen: „Elvis Presleys Eintritt in das öffentliche Leben erfolgte mit solcher Urgewalt, dass sich seine Geschichte bald unauslöschlich in die kulturellen Klischees einprägte, die ihr zu entsprechen schienen; seine Geschichte wurde zum Allgemeinplatz, weil sie es bereits war: Geburt in bitterer, ländlicher Armut, Umzug in die Stadt, eine erste Platte für ein lokales Label, beispielloser nationaler und internationaler Ruhm, Skandale, Vergötterung, die Verwandlung eines sonderbaren und bedrohlichen Außenseiters in einen respektablen Bürger, der seinem Land ohne zu klagen diente; Jahre, verbracht mit der willfährigen Produktion schablonenhafter Kinofilme und anspruchsloser Musik, Ehe, Vaterschaft, ein geruhsames Leben hinter den Mauern seines Herrensitzes, dann eine erstaunliche Rückkehr, laut und vibrierend, und dann ein langsamer, scheinbar unaufhaltsamer Abstieg – Scheidung, endlose Tourneen, so öde wie seine alten Filme, anstelle von Nachrichten Gerüchte über fürchterliche Dinge und schließlich sein vorzeitiger Tod.“

Ein langer Satz, aber er erzählt die ganze Geschichte und ist von Greil Marcus, der im zweiten Kapitel seines monströsen Essays „Dead Elvis“ erzählt, warum „Long Black Limousine“ der bewegendste Elvis-Song ist (weil er hier mit unerreicht bitterer Stimme von einem Mädchen vom Lande singt, das im Leichenwagen aus der Stadt zurückkehrt). Der Song findet sich auf Elvis’ schönem ’69er Comebackalbum „From Elvis In Memphis“. In der so schlicht wie elegant gestalteten Schachtel mit allen 57 zu Elvis’ Lebzeiten bei RCA veröffentlichten Alben steckt die CD – wie alle anderen – in einer sorgfältig verarbeiteten und doppelt verstärkten LP-Replica-Papphülle, darin zudem eine Miniatur-Autogrammkarte.

Nicht enthalten ist mein persönlicher Lieblingssong, „Stay Away“, 1968 eine Single-B‑Seite und erst Jahrzehnte später auf dem Soundtrack „Stay Away, Joe“ veröffentlicht. Die Chance hätte bestanden. Denn eigentümlicherweise wurden die meisten LPs durch „hidden“ Bonus-Tracks ergänzt; im Falle von „Elvis In Memphis“ beispielsweise durch drei Single‑A‑ und eine ‑B‑Seite aus dem Erscheinungsjahr. Auf den originalgetreuen Covern sind sie nicht verzeichnet, stattdessen in dem sehr ausführlichen und hochwertigen 300-Seiten-Booklet. Drei CDs mit Outtakes, Demos und Duetten ergänzen die Werkschau. Ein würdiger Kasten. Und alles andere als ein Grab.

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