Feist Metals


Universal


von

Dass Leslie Feist die Kuh melkt, solange sie Milch gibt, wird keiner behaupten wollen. Mit ihrem letzten Album „The Reminder“ hatte die Kanadierin so ziemlich alles abgestaubt, was es gibt, es war ihr Durchbruch. Auf den eine längere Tournee und eine filmische Dokumentation folgten. Hätte sie direkt danach eine weitere, ähnlich zugängliche Platte geschrieben, der ganz große Ruhm wäre ihr gewiss gewesen. Aber Feist war erschöpft. Sie begab sich in Klausur, erinnerte sich ihrer Anfänge als Bandmusikerin und gestattete sich den Luxus, Ruhe nicht als bedrohlich zu empfinden.

Die Songs, die sie irgendwann wieder zu komponieren begann, entstanden überwiegend nicht am Klavier, sondern auf der Gitarre. Man hört das, etwa in der wehmütigen Ballade „Graveyard“: Weniger üppig als zuletzt ist hier vieles. Reduzierter, inhaltsschwerer und introvertierter, um dann im richtigen Moment – nicht selten überraschend – zum großen Schlag auszuholen. „A Commotion“ etwa wird mit melodramatisch eingefärbter Strophe eingeläutet, ehe man fast ein bisschen erschrickt über den „A Commotion“ schreienden Männerchor. Auch „The Bad In Each Other“ ist sparsam, aber effektiv instrumentiert, beginnt mit einer Torch-Gitarre zu monotonen Pauken, ehe Feist zu einem dieser flirrend-zerdehnten Refrains ansetzt, die wir von ihr kennen.

Der Blues „How Come You Never Go There“ ist mit seinem hüpfend-stupenden Grundcharakter ein Bindeglied in die Vergangenheit und macht am deutlichsten, dass aus einigen Songs vielleicht ein bisschen zu sehr das Kunstsinnige und eine gewisse Überambition sprechen. Man spürt dann, dass Feist mit den bewährten Mitstreitern Mocky und Gonzales den großen Wurf im Sinn hatte.

Auf „The Reminder“ umarmte Leslie Feist das Leben. „Metals“ enthält bisweilen düstere Reflexionen über das Leben, die Liebe, das Universum und den Menschen dazwischen. Uns kleine, dumme Menschen, die wir immer wollen, was wir nicht haben und sowieso nie zufrieden sind, skizziert die Sängerin mit kritischer Liebe und sinisterer Zärtlichkeit. Sie macht das gut, aber Achtung: als Latte-Macchiato-Klangtapete eher nicht zu empfehlen.

Beste Songs: „The Circle Married The Line“, „A Commotion“


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