Fink „’ne Menge Leute“


Trocadero (VÖ: 23.9.)


von

Warum die Band des früh verstorbenen Sängerdichters Nils Koppruch immer ein wenig außen vor blieb, ist nicht leicht zu klären. Fink hatten nie etwas Artifizielles an sich, obwohl ihre Musik schlangengleich durch Genres glitt. Sie bildeten mit ihrer Instrumentenkönnerei und Referenzsucht (wie etwa das krakelige Kraftwerk-Cover „Autobahn“ im Folk-Korsett) auch keine Plakatfläche für Plattenladensheriffs, die Roots-Authentizität schätzen. Ausgangspunkt war ja 1997 mit dem Debüt, „Vogelbeobachtung im Winter“, eine Art deutscher Alternative Country, spröde gedacht, elegant interpretiert. Die Sehnsucht ist spürbar, die Romantik ist aber kohlrabenschwarz.

Morbide bis in die letzte Ritze

„Loch in der Welt“ war dann schon von der neuen Freundschaft mit Element Of Crime geprägt und wirkte doch klobig. Die Bandbesetzung änderte sich, Koppruch sprach inzwischen von „Folk noir“. Die knarzige Melancholie in den Texten blieb. „Mondscheiner“ trägt mit Reggae und Jazz auch viel dicker auf. Aber umständlich bleibt’s. Wer würde einen strahlendschönen Song mit einem Titel wie „Er sieht sie an während sie ihn ansieht und er sieht zur Tür“ versehen?

Auf „Fink“ funkeln die Melodien mehr („Sieh mich nicht an“), maritime Metaphern können den lakonischen Existenzialismus dahinter aber nicht verbergen. An „Haiku Ambulanz“ dürfen sich schon allein wegen der Kinderchöre die Geister scheiden. Weniger Banjo, dafür sogar etwas Elektronik. Das ist tanzbar, jawohl. Und doch ist alles morbide bis in die letzte Ritze. „Bam Bam Bam“ hat als Abschlusswerk etwas Versöhnliches und führt das Projekt Fink nach zehn Jahren schließlich in den sicheren Hafen einer sich selbst bewussten Americana-Mischung mit „Hüftschwung“. Alles ist gesagt, eine Fortsetzung war wohl nicht nötig. Auf Vinyl gab es einst nur wenige Alben der Band. Nun wurden sie für diese Werkschau koloriert und von Hamburger-Schule-Produzent und ‑Toningenieur Chris von Rautenkranz remastert.


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