Highlight: Sylvester Stallone: Alle „Rocky“- und „Rambo“-Filme im Sterne-Ranking

Fleetwood Mac Tusk


Warner

„Rumours“ (1977) legte die gescheiterten Liebesbeziehungen der Bandmitglieder offen, es blieb ein Scherbenhaufen. Das zwei Jahre später erschienene „Tusk“ war der Versuch, die Scherben unauffällig unter den Teppich zu kehren: nervöse Stille, leise Wut, dazwischen überfallartige Euphorie, ein „Geht doch!“, wie im Titelstück. Dafür engagierte Lindsey Buckingham die berühmten Marschmusikanten von Spirit Of Troy, und der Chor rief „Huga-Haga“. Natürlich macht sich das erstaunliche Lied mit dem skandierten „Tusk!!!“ in seiner Live-Version heute zu Recht als Faust-in-die-Luft-Hymne lächerlich.

Der Rest des Albums? Viel besser als sein Ruf, es reichte für die zweitbeste Platte der Band. Während Kritiker nur darauf warteten, den Egomanen Buckingham wegen seines Entwurfs einer Doppel-LP zu grillen – außerdem weil er jetzt Post-Punk-Blazer trug –, schrieben Stevie Nicks (mit „Sara“) und vor allem Christine McVie im Hintergrund weiter Geschichte. „Do you have to have me the way that I want you?“, singt die Keyboarderin zaghaft in „Brown Eyes“, dem Zentrum der 19 Songs. Noch besser ist ihr „Never Make Me Cry“: Das klingt so intim, so sehr nach Solobeitrag, dass es auf die anderen wie eine Strafe gewirkt haben muss. Mit „Tusk“ wurde deutlich, dass Fleetwood Mac – dieses Schicksal ereilt irgendwann jede Volksmusik­gruppe – am Ende nichts mehr kaschieren konnten. Treue ist eben nichts für die Ewigkeit.

Gegenüber dem 2004 veröffentlichten Reissue ist diese Deluxe-Box ein Gewinn, nicht nur wegen des Umfangs – Doppel-Vinyl plus fünf CDs und eine DVD –, sondern auch wegen der Alternativfassungen der Albumtracks. Remixe sind ja meistens die Hölle, aber der Remix von „That’s All For Everyone“ zeigt Möglichkeiten, die Buckingham damals ungenutzt ließ. Die eh schon fatalistischen Zeilen „That’s all for me/ Last call for everyone/ Must be just exactly what I need“ erhalten einen traumartigen Hall, und vor dem inneren Auge sehen wir den Gitarristen in ein Nirvana abdriften.


ÄHNLICHE KRITIKEN

David Bowie :: Young Americans

Eines seiner stimmigsten Werke, und das mit nur sieben Eigenkompositionen und einem Coverstück.

Quentin Tarantino :: Once Upon a Time in Hollywood

Quentin Tarantino widmet sich dem „Old Hollywood“, das Ende der 1960er-Jahre dem Untergang geweiht war. Mit seiner kreativen Neuerzählung steht...

Dexter Fletcher :: Rocketman

Der Film von Dexter Fletcher beleuchtet in einem ekstatischen Hybrid aus Musical und Biopic den Aufstieg Johns vom schüchternen Middlesex-Knaben...


ÄHNLICHE ARTIKEL

Metallica: Kirk Hammett spielt bei Tribute-Show für Peter Green

Nachdem Metallica wieder einige Konzerte absagen mussten, ist zumindest Kirk Hammett auf der Bühne weiter aktiv. Der Gitarrist spielt gemeinsam mit anderen Musikern einen Gig zu Ehren von Peter Green (Ex-Fleetwood-Mac).

Fleetwood Mac: Lindsey Buckingham nach Herz-OP wieder live auf Tour

Nach seiner Notoperation am offenen Herzen kehrt Lindsey Buckingham wieder auf die Bühne zurück. Im April und Mai wird der ehemalige Gitarrist von Fleetwood Mac eine kleine Tour spielen.

Fleetwood Mac: Klartext zur Causa Lindsey Buckingham

Weiter Funkstille zwischen der Band und Lindsey Buckingham. Und das wird sich wohl auch nicht ändern.


Fleetwood Mac: Klartext zur Causa Lindsey Buckingham

Das jüngste Live-Lineup von Fleetwood Mac sah so aus: John McVie, Stevie Nicks und Christine McVie – also die alte Truppe, sowie die Neuzugänge Mike Campbell (Tom Petty & The Heartbreakers) und Neil Finn (Crowded House).  Ohne Gitarrist und Sänger Lindsey Buckingham – und so wird es auch bleiben, glaubt man jedenfalls den Worten Mick Fleetwoods im aktuellen amerikanischen ROLLING STONE. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, je wieder mit Buckingham aufzutreten, gab es ein klares „Nein.“ Man fühle sich den Neuen, Finn und Campbell, sehr verpflichtet. „Und das steht auch nicht anders zur Debatte. Lindseys Vermächtnis wird…
Weiterlesen
Zur Startseite