Flowerpornoes: Ich liebe Menschen wie ihr (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Flowerpornoes Ich liebe Menschen wie ihr


GIM / Intergroove VÖ: 16. November 2012


von

Hier kommt – fünf Jahre nach der furiosen Band-Rückkehr auf „Wie oft musst Du vor die Wand laufen, bis der Himmel sich auftut?“ – nicht mehr ganz so viel Rock’n’Roll. Aber hier kommen ja auch keine Jungs mit Ego-Problemen mehr, die mit dem Hang zu arroganten Frauen, Sie erinnern sich bestimmt. Dafür nimmt uns Tom Liwa, dieser (trotz allem) große Menschenfreund, mit zu einer „Parade der am Patriarchat gewachsenen Frauen“, die da „wie Flamingos“ rumstehen, „mit dem Stolz der letzten Exemplare einer aussterbenden Rasse“. Und klar, er ist mal wieder „weit gefahren“ dafür (und womöglich die ganze Nacht durch wie Bruce).

„Ich liebe Menschen wie ihr“ ist kein Überflieger wie der Vorgänger, der einen sofort in den Himmel hob. Hier entfaltet sich eher ein rund einstündiger Rundflug über den Ein- und Aussichten gelebten Lebens, der im versöhnlich kreiselnden Folk von „Land“ ebenso genau zu sich findet wie in der schwebenden Eloge auf den „Schlafkönig“. Dazwischen schnell noch ein Rauchring für „Chinese Inca“, der weiß, dass Bären nicht stinken (sondern nach Honig und Sex riechen). Und auch ein bisschen Licht für „Chris“, drüben auf der dunklen Seite des Mondes. Denn wer weiß schon, wie’s dort wirklich ist?

Und „Frida“? Dreht noch mal, auf einer Psychedelic-Wolke der Band, eine allerletzte Runde über all diese Orte, bevor es in den Tunnel geht, der Liebe versprach und doch nur Tod brachte. Auch denkt sich Liwa nach wie vor gern irgendwo hin, wenn diese Sehnsucht nach Naivität wächst wie im groovenden „Pazifika“. Aber dann reicht ihm schon „Das Wort Erde“ für eine Verbindung über Zeiten und Grenzen hinweg. „Saving Grace“ hat (samt obiger Flamingo-Parade) nichts mit dem gleichnamigen Tom-Petty-Boogie gemein – und ist doch das „amerikanischste“ Stück hier, mit den frei verklingenden Akkorden, dem längeren Gitarren-Solo. Und erst die ganze Orgelei immerfort! Wie Liwa „Saving Grace, Mama, während sie spült“ singt, sollte man schon gehört haben. „Gültiger Fahrschein“ – mit Kitty Louisa weit weg von hier, zum Grund der Dinge – ist dann echt noch mal Rock’n’Roll. Ist Tom Liwa nicht der einzige Liederschreiber in diesem Land, der dieses Ticket besitzt?


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